Druckluft-Fachbuch › Kapitel 7: Energieeffizienz & Kosten › Die Top 10 Maßnahmen
Kapitel 7 · Thema 7.5
Energieeffiziente Druckluft: Die Top 10 Maßnahmen und warum am Anfang immer die Messung steht
In fast jeder Druckluftanlage steckt Einsparpotenzial. Aber nicht jede Maßnahme lohnt sich überall, und nicht jede Einsparung ist wirtschaftlich sinnvoll. Darum steht vor jeder Optimierung die Messung. Ohne Messung weiß man nicht, wo die Anlage heute steht, wo die wichtigsten Ansatzpunkte liegen und was die Maßnahmen am Ende gebracht haben. Diese Seite zeigt die zehn wichtigsten Maßnahmen im Überblick, jede mit einem Link auf die ausführliche Seite und den passenden Rechner.
Schritt null: erst messen, dann optimieren
| Wann | Was | Warum? |
|---|---|---|
| Vor den Maßnahmen | Ausgangszustand messen | Verbrauch, Leistungsaufnahme, Druck, Leerlauf, Leckageanteil. Daraus ergeben sich die wichtigsten Ansatzpunkte. |
| Während der Maßnahmen | wenn möglich messtechnisch begleiten | So sieht man den Fortschritt und merkt früh, wenn eine Maßnahme nicht wirkt oder Nebenwirkungen hat. |
| Nach den Maßnahmen | erneut messen und wirtschaftlich bewerten | Erst der Vergleich vorher und nachher bei vergleichbarer Produktion zeigt, was die Gesamtmaßnahme wirklich gebracht hat. |
Nicht jede Optimierung ist wirtschaftlich sinnvoll
Ein Beispiel: Eine kleine Leckage an einem Pneumatikzylinder kostet rund 500 € im Jahr. Die Reparatur ist aber im laufenden Betrieb nicht möglich, und eine Produktionsunterbrechung würde ein Vielfaches kosten. Dann ist es oft die bessere Entscheidung, die Leckage bewusst bis zum nächsten geplanten Stillstand laufen zu lassen, zum Beispiel über den Jahreswechsel, und sie dort zu beheben. Optimieren heißt also nicht, alles sofort zu machen, sondern das Richtige zum richtigen Zeitpunkt.
Die Top 10 Maßnahmen
| Nr. | Maßnahme | Worum es geht | Mehr dazu |
|---|---|---|---|
| 1 | Leckagen finden und beseitigen | Typisch gehen 25 bis 35 % der erzeugten Druckluft durch Leckagen verloren, rund um die Uhr. | Leckagen |
| 2 | Netzdruck senken, mit Blick auf die Folgen | Rund 7 % weniger Energie je bar bei der Verdichtung. Die Absenkung kann aber Rohrnetz, Trockner, Speicher und Verbraucher beeinflussen. | Netzdruck senken |
| 3 | Kompressoren richtig steuern | Eine übergeordnete Steuerung verteilt die Last sinnvoll und vermeidet unnötigen Leerlauf. | Leerlaufverluste, Steuerung |
| 4 | Drehzahlgeregelter Kompressor für schwankenden Bedarf | Er passt die Liefermenge dem Bedarf an, statt zwischen Last und Leerlauf zu wechseln. | Drehzahlregelung |
| 5 | Wärme zurückgewinnen | Fast die gesamte elektrische Energie wird im Kompressor zu Wärme. Ein großer Teil davon lässt sich für Heizung oder Prozesswärme nutzen. | Wärmerückgewinnung |
| 6 | Aufbereitung effizient betreiben | Verschmutzte oder falsch dimensionierte Filter, Adsorptionstrockner ohne Taupunktsteuerung, zu warm stehende Kältetrockner. | Effiziente Aufbereitung |
| 7 | Rohrnetz ohne Engstellen | Gewachsene Netze mit vielen Verzweigungen, zu kleine Leitungen, zu viele Verbraucher an Stichleitungen, viele Schläuche und Schnellkupplungen. | Rohrleitung, Schläuche |
| 8 | Gute Bedingungen in der Station | Gut belüfteter Raum, kühle Ansaugluft, saubere Ansaugfilter und saubere Kühler am Kompressor. | Ansaugluft, Lüftung |
| 9 | Netz außerhalb der Arbeitszeit absperren | Ein motorischer Kugelhahn hinter Behälter und Aufbereitung verhindert, dass nachts und am Wochenende Leckagen versorgt werden. | Anlage unter Druck halten |
| 10 | Verbraucher optimieren | Blasluft gezielt einsetzen, Vakuumerzeuger bedarfsgerecht ansteuern, ungenutzte Verbraucher absperren. Hier steckt oft mehr Potenzial als bei der Erzeugung. | Verbraucher |
Was passiert, wenn es falsch gemacht wird?
| Typischer Fehler | Folge |
|---|---|
| Ohne Messung losgelegt | Das Geld fließt in Maßnahmen mit wenig Wirkung, die wichtigsten Ansatzpunkte bleiben unerkannt. |
| Nach der Maßnahme nicht gemessen | Niemand weiß, was sie gebracht hat. Der Erfolg lässt sich nicht belegen, auch nicht für Förderungen. |
| Jede Maßnahme sofort und um jeden Preis | Produktionsunterbrechungen kosten mehr, als die Maßnahme einspart. |
| Nur den Kompressor betrachtet | Rohrnetz, Aufbereitung und Verbraucher bleiben unverändert, obwohl dort oft das größere Potenzial liegt. |
| Einmal optimiert, dann vergessen | Neue Maschinen und geänderte Abläufe verschieben den Bedarf, die Anlage läuft wieder ungünstig. |
So rechnest du: Lohnt sich die Maßnahme jetzt?
Für die Bewertung der einzelnen Maßnahmen gibt es auf den verlinkten Seiten eigene Rechner, zum Beispiel für Leckagekosten, Druckabsenkung, Leerlaufverluste, Motorwirkungsgrad oder Spülluft. Einsparungen mehrerer Maßnahmen lassen sich nicht einfach addieren, weil sie sich gegenseitig beeinflussen. Weniger Leckagen bedeuten zum Beispiel auch weniger Luft, die bei einer späteren Druckabsenkung eingespart werden kann.
Worauf du außerdem achten solltest
Praxistipp
Miss vor dem Start, begleite die Maßnahmen wenn möglich messtechnisch und miss am Ende noch einmal. Dann bewerte die Gesamtmaßnahme wirtschaftlich. So siehst du, was wirklich etwas gebracht hat, und kannst entscheiden, was sofort, was beim nächsten Stillstand und was gar nicht umgesetzt wird.
Häufige Fragen
Wie spart man bei Druckluft am meisten Energie?
Das hängt von der Anlage ab. Oft bringen Leckagebeseitigung, richtige Steuerung, angepasster Netzdruck und Wärmerückgewinnung viel. Welche Maßnahme bei dir am meisten bringt, zeigt erst eine Messung.
Warum sollte man vor der Optimierung messen?
Ohne Messung weiß man nicht, wo die Anlage steht, wo die größten Ansatzpunkte liegen und was die Maßnahmen am Ende gebracht haben. Nicht jede Maßnahme ist wirtschaftlich sinnvoll.
Muss jede Leckage sofort repariert werden?
Nicht unbedingt. Ist die Reparatur nur mit einem teuren Produktionsstopp möglich, kann es wirtschaftlicher sein, sie bis zum nächsten geplanten Stillstand zu verschieben. Wichtig ist, sie zu dokumentieren.
Kann man die Einsparungen mehrerer Maßnahmen addieren?
Nein, nicht einfach. Die Maßnahmen beeinflussen sich gegenseitig. Den tatsächlichen Gesamteffekt zeigt die Messung vorher und nachher.