Druckluft-Fachbuch › Kapitel 6: Kompressorraum & Installation › Be- und Entlüftung
Kapitel 6 · Thema 6.2
Lüftung im Kompressorraum: Kanäle und Gitter richtig auslegen
Fast die gesamte elektrische Leistung eines Kompressors wird zu Wärme. Diese Wärme muss mit der Kühlluft aus dem Raum. Ist die Lüftung zu klein, wird es im Kompressorraum heiß: Die Anlage arbeitet schlechter, verbraucht mehr Energie und schaltet im schlimmsten Fall wegen Übertemperatur ab.
Die Richtwerte auf einen Blick
| Stelle | Luftgeschwindigkeit | Warum dieser Wert? |
|---|---|---|
| Wetterschutzgitter (Zuluft und Abluft) | max. 2 m/s | Gitter haben einen hohen Strömungswiderstand. Bei niedriger Geschwindigkeit bleiben Druckverlust und Strömungsgeräusch klein, und Regen wird nicht mit ins Gebäude gezogen. |
| Abluftkanal ohne Stützventilator | max. 4 m/s | Der Lüfter im Kompressor hat nur wenig Restdruck für einen Kanal übrig. Bleibt die Geschwindigkeit niedrig, reicht dieser Restdruck aus. |
| Abluftkanal mit Stützventilator | max. 8 m/s | Der zusätzliche Ventilator überwindet den höheren Druckverlust. Der Kanal darf dann kleiner sein, braucht aber Strom und eine Regelung. |
Warum ist die Luftgeschwindigkeit so entscheidend?
Der Druckverlust in Kanal und Gitter steigt mit dem Quadrat der Luftgeschwindigkeit. Doppelte Geschwindigkeit bedeutet also ungefähr den vierfachen Widerstand. Schon ein etwas zu kleiner Kanal bremst die Kühlluft deshalb deutlich aus.
Der Kompressorlüfter fördert dann weniger Luft als vorgesehen, und die Wärme bleibt im Raum.
Was passiert, wenn die Lüftung zu klein ist?
- Die Raumtemperatur steigt, und damit auch die Temperatur der angesaugten Luft. Warme Luft ist dünner. Pro Kubikmeter wird weniger Masse verdichtet, also steigt der Energiebedarf pro Kubikmeter Druckluft.
- Der Kompressor wird zu heiß und schaltet im Sommer wegen Übertemperatur ab. Das Öl altert schneller.
- Der Kältetrockner kommt an seine Grenze. Steigt der Drucktaupunkt, gelangt Wasser ins Rohrnetz.
- Warme Abluft wird wieder angesaugt, wenn sie keinen freien Weg nach draußen findet. Dieser Kurzschluss heizt den Raum zusätzlich auf.
- Es wird lauter. Hohe Strömungsgeschwindigkeiten erzeugen Pfeif- und Rauschgeräusche an Gittern und Kanälen.
So rechnest du den Querschnitt aus
Die benötigte Kühlluftmenge steht im Datenblatt bzw. in der Betriebsanleitung des Kompressors. Teilst du sie durch die zulässige Luftgeschwindigkeit, ergibt sich der Querschnitt:
Beispiel: Ein Kompressor braucht 3.780 m³/h Kühlluft, das sind 1,05 m³/s.
- Wetterschutzgitter bei 2 m/s: 1,05 ÷ 2 = 0,53 m² freier Querschnitt
- Abluftkanal ohne Stützventilator bei 4 m/s: 1,05 ÷ 4 = 0,26 m², also etwa 51 × 51 cm
- Abluftkanal mit Stützventilator bei 8 m/s: 1,05 ÷ 8 = 0,13 m², also etwa 36 × 36 cm
Worauf du außerdem achten solltest
Lage der Zu- und Abluftöffnungen
Die Zuluft kommt möglichst kühl, sauber und in der Nähe der Ansaugung herein. Die Abluft geht direkt nach draußen, und zwar so, dass sie nicht wieder angesaugt werden kann.
→ Der richtige KompressorraumSchall und Lärm
Jede Öffnung nach außen ist auch ein Weg für Schall. Bei Nachbarn oder Arbeitsplätzen in der Nähe den Schalldämpfer gleich mit einplanen. Er braucht Platz und erhöht den Druckverlust.
→ Schall und Lärmschutz (folgt)Abstrahlungswärme
Auch Kältetrockner, Motoren, Rohrleitungen und Behälter geben Wärme an den Raum ab. Diese Wärme muss die Lüftung zusätzlich abführen.
→ Ansauglufttemperatur und EnergieverbrauchPlatzverhältnisse
Kanäle, Gitter, Schalldämpfer und Klappen brauchen Platz. Er muss früh eingeplant werden, sonst wird der Kanal am Ende kleiner gebaut, als er sein müsste.
→ Der richtige KompressorraumWinterbetrieb
Bei Frost darf der Raum nicht auskühlen. Eine thermostatisch geregelte Umluftklappe führt warme Abluft in den Raum zurück und hält die Temperatur konstant.
→ Der richtige KompressorraumAbwärme nutzen statt wegblasen
Die warme Abluft ist Energie. Über eine Wärmerückgewinnung lässt sie sich zum Heizen von Hallen oder Wasser nutzen.
→ Wärmerückgewinnung am KompressorPraxistipp
Die Lüftung wird oft von einem anderen Gewerk geplant als der Kompressor. Gib dem Lüftungsplaner deshalb immer die Kühlluftmenge und den verfügbaren Restdruck des Kompressorlüfters aus dem Datenblatt mit. Prüfe vor der Montage, ob Gitter und Kanal zu diesen Werten passen. Eine nachträgliche Vergrößerung von Wanddurchbrüchen ist teuer.
Häufige Fragen
Wie schnell darf die Luft durch ein Wetterschutzgitter strömen?
Als Richtwert maximal 2 m/s, bezogen auf den freien Querschnitt des Gitters. So bleiben Druckverlust und Geräusch gering, und Regen wird nicht mit hineingezogen.
Wann brauche ich einen Stützventilator im Abluftkanal?
Wenn der Restdruck des Kompressorlüfters nicht ausreicht, um den Druckverlust von Kanal, Bögen, Gittern und Schalldämpfer zu überwinden. Das ist typischerweise bei langen Kanälen oder vielen Umlenkungen der Fall. Mit Stützventilator sind bis etwa 8 m/s im Kanal möglich, ohne ihn etwa 4 m/s.
Was passiert, wenn der Abluftkanal zu klein ist?
Die Kühlluftmenge sinkt, der Raum heizt sich auf und der Kompressor saugt wärmere Luft an. Das erhöht den Energiebedarf, belastet Öl und Kältetrockner und kann zu Abschaltungen wegen Übertemperatur führen.