Druckluft-Fachbuch › Kapitel 7: Energieeffizienz & Kosten › Spezifische Leistung
Kapitel 7 · Thema 7.7
Spezifische Leistung: So vergleichst du Kompressoren richtig
Die spezifische Leistung sagt, wie viel Strom ein Kompressor für einen Kubikmeter Luft pro Minute braucht: Leistungsaufnahme geteilt durch Liefermenge, in kW pro m³/min. Je kleiner der Wert, desto effizienter der Kompressor. Als Faustwert gilt bei 7 bar(ü): rund 7 kW pro m³/min. Mit dieser Kennzahl kannst du Angebote vergleichen, aber nur, wenn die Angaben dahinter vergleichbar sind.
Die Richtwerte auf einen Blick
| Punkt | Richtwert | Warum? |
|---|---|---|
| Spezifische Leistung bei 7 bar(ü) | ca. 7 kW pro m³/min | Mittelwert als Faustformel. Manche Kompressoren sind besser, manche schlechter. |
| Liefermenge | nach ISO 1217, Anhang C | Bezogen auf 20 °C, 0 % Feuchte und 1 bar absolut am Ansaug. Nur dann sind Angaben verschiedener Anbieter vergleichbar. |
| Leistungsaufnahme | Gesamtaufnahme an der Klemme | Gemessen an der Einspeisung des Kompressors. Nur so sind alle Verbraucher enthalten. |
| Drehzahlgeregelt bei Volllast | ca. 3–5 % mehr | Der Frequenzumrichter hat eigene Verluste. Dafür spart der Kompressor in Teillast deutlich. |
Warum Angebote so oft falsch verglichen werden
In Angeboten steht oft nur die Wellenleistung oder die Motornennleistung. In beiden Fällen fehlen Verbraucher, die im Betrieb trotzdem Strom ziehen: eingebaute Lüfter, Steuerung, elektronische Kondensatableiter, Messsensoren und mehr. Der Kompressor sieht auf dem Papier besser aus, als er ist.
Entscheidend ist die Gesamtleistungsaufnahme an der Klemme der Einspeisung und eine Liefermenge nach ISO 1217, Anhang C. Nur mit diesen beiden Werten ist die spezifische Leistung ehrlich.
Auch die Ansaugtemperatur hat einen erheblichen Einfluss: Warme Luft ist dünner, der Kompressor braucht mehr Strom pro Kubikmeter. Darum beziehen sich Herstellerangaben immer auf die Normbedingungen der ISO 1217.
Drehzahlgeregelte Kompressoren: auf die Kennlinie kommt es an
Ein Kompressor mit fester Drehzahl hat im Lastlauf immer etwa dieselbe spezifische Leistung. Ein drehzahlgeregelter Kompressor hat dagegen eine Kennlinie: Im niedrigen Drehzahlbereich ist er meist schlechter, im mittleren Bereich meist richtig gut, und zum oberen Ende hin wird der Wirkungsgrad wieder schlechter.
Zwischen den Anbietern gibt es dabei erhebliche Unterschiede:
| Gute drehzahlgeregelte Kompressoren | Schlechte drehzahlgeregelte Kompressoren |
|---|---|
| großer, durchgängiger Regelbereich | kleiner Regelbereich, oft mit Regellücken |
| flache Kennlinie | ausgeprägte „Badewannenkurve“ |
| schalten bei geringem Bedarf direkt ab und starten bei Bedarf sanft über den Frequenzumrichter | gehen zum Teil in den Leerlauf |
Lass dir vom Anbieter immer schriftlich geben:
- Wie groß ist der gesamte Regelbereich?
- Gibt es Regellücken, die überfahren werden?
- Geht der Kompressor in den Leerlauf, oder schaltet er direkt ab?
- Leistungsaufnahme und Liefermenge abgestuft bei 100 %, 90 %, 80 %, 70 % … bis zur kleinsten Drehzahl.
Nur so erkennst du, ob du einen wirklich guten drehzahlgeregelten Kompressor vor dir hast oder eine Mogelpackung mit vorgeschaltetem Frequenzumrichter.
Bonus: keine Stromspitzen beim Anlauf
Drehzahlgeregelte Kompressoren starten über den Frequenzumrichter, Kompressoren mit Sanftanlauf ebenfalls weich. Dadurch entstehen keine Stromspitzen. Gerade große Kompressoren ziehen beim direkten Anlauf kurzzeitig ein Vielfaches ihres Nennstroms. Beispiel: Ein 200-kW-Kompressor mit dem vierfachen Nennstrom beim Anlauf verursacht eine kurze Spitze von rund 800 kW. Auch wenn sie nur wenige Sekunden dauert, muss der Netzbetreiber diese Leistung bereitstellen, und das kostet Geld.
So rechnest du die spezifische Leistung aus
Mit dem Rechner vergleichst du zwei Angebote. Er zeigt, was der Unterschied bei deinem Druckluftbedarf im Jahr an Strom kostet.
Worauf du außerdem achten solltest
Ansaugtemperatur
Kühle Ansaugluft verbessert die spezifische Leistung im Betrieb spürbar.
→ Ansauglufttemperatur und EnergieverbrauchLiefermenge prüfen
Stimmt die angegebene Liefermenge wirklich? Eine Messung nach ISO 1217 schafft Klarheit.
→ Liefermenge prüfen nach ISO 1217 (folgt)Leerlauf kostet extra
Die beste spezifische Leistung nützt wenig, wenn der Kompressor viele Stunden im Leerlauf läuft.
→ LeerlaufverlusteAngebote richtig vergleichen
Neben der Effizienz zählen Service, Ersatzteile und Laufzeit. Der Kaufpreis ist nur ein kleiner Teil der Kosten.
→ Kompressor-Angebote richtig vergleichenPraxistipp
Vergleiche nie Motornennleistung mit Motornennleistung. Fordere von jedem Anbieter die Gesamtleistungsaufnahme an der Klemme und die Liefermenge nach ISO 1217, Anhang C. Bei drehzahlgeregelten Kompressoren zusätzlich die Werte in 10-%-Schritten. Wer diese Zahlen nicht liefern kann oder will, hat meist einen Grund dafür.
Häufige Fragen
Was ist eine gute spezifische Leistung?
Bei 7 bar(ü) gilt als Faustwert rund 7 kW pro m³/min. Manche Kompressoren sind besser, manche schlechter. Vergleichbar sind die Werte nur mit der Gesamtleistungsaufnahme an der Klemme und einer Liefermenge nach ISO 1217, Anhang C.
Warum reicht die Motorleistung im Angebot nicht?
Wellenleistung oder Motornennleistung enthalten nicht alle Verbraucher. Es fehlen zum Beispiel eingebaute Lüfter, Steuerung, elektronische Kondensatableiter und Messsensoren. Maßgeblich ist die Gesamtleistungsaufnahme an der Klemme der Einspeisung.
Woran erkenne ich einen guten drehzahlgeregelten Kompressor?
An einem großen, durchgängigen Regelbereich ohne Regellücken, einer flachen Kennlinie und daran, dass er bei geringem Bedarf abschaltet statt in den Leerlauf zu gehen. Lass dir Leistungsaufnahme und Liefermenge in 10-%-Schritten geben.