Druckluft-Fachbuch › Kapitel 3: Steuerung & Regelung › Leerlaufverluste
Kapitel 3 · Thema 3.4
Leerlaufverluste: Wenn der Kompressor Strom ohne Luft verbraucht
Im Leerlauf dreht der Motor weiter, aber der Kompressor liefert keine Druckluft. Trotzdem zieht ein Schraubenkompressor dabei noch 20 bis 30 % seiner Lastlaufleistung. Jede Leerlaufstunde ist bezahlter Strom ohne Gegenwert. Weil der Kompressor dabei normal klingt und der Druck stimmt, fällt das kaum jemandem auf.
Die Richtwerte auf einen Blick
| Punkt | Richtwert | Warum? |
|---|---|---|
| Leistung im Leerlauf (Schraubenkompressor) | 20–30 % | Motor, Lüfter und Ölkreislauf laufen weiter, obwohl keine Luft verdichtet wird. |
| Leerlaufstunden im Verhältnis zu den Laststunden | über 30 % = handeln | Dann passt der Kompressor oder die Regelung nicht mehr zum Bedarf. Hier liegt fast immer bares Geld. |
| Motorstarts pro Stunde | laut Hersteller | Je größer der Motor, desto weniger Starts sind erlaubt. Ein 150-kW-Motor darf zum Beispiel oft nur rund 4-mal pro Stunde starten. Sind die Starts verbraucht, bleibt der Kompressor im Leerlauf. |
| Nachlaufzeit | laut Hersteller | Sie legt fest, wie lange der Kompressor nach dem Abschaltdruck im Leerlauf weiterläuft, bevor er abschaltet. |
Warum es Leerlauf überhaupt gibt
Leerlauf schützt den Motor. Würde der Kompressor bei jedem Erreichen des Abschaltdrucks sofort ausgehen, käme er auf zu viele Starts pro Stunde, und der Motor würde zu heiß. Deshalb läuft er eine Zeit lang im Leerlauf weiter und kann bei Bedarf ohne Neustart sofort wieder Luft liefern.
Die Hersteller lösen das inzwischen recht intelligent. Aber: Passt der Kompressor von der Größe nicht zum Bedarf, hilft auch die beste Steuerung nicht. Dann läuft er trotzdem lange im Leerlauf.
Die häufigsten Ursachen für zu viel Leerlauf
- Kompressor zu groß für den tatsächlichen Bedarf.
- Falsche Abstufung: Die Größen mehrerer Kompressoren passen nicht zueinander, es entstehen Regellücken.
- Veränderte Betriebsbedingungen: Die Produktion hat sich geändert, die einmal passende Abstufung passt nicht mehr.
- Kein drehzahlgeregelter Kompressor im Einsatz, der die Schwankungen ausgleicht.
- Mehrere Kompressoren ohne übergeordnete Steuerung, oder die übergeordnete Steuerung ist falsch eingestellt.
- Zu lange Nachlaufzeit.
- Zu kleiner Druckluftbehälter: Der Druck steigt und fällt so schnell, dass der Kompressor ständig zwischen Last und Leerlauf pendelt.
So rechnest du deine Leerlaufkosten aus
Last- und Leerlaufstunden zeigt fast jeder Kompressor im Display oder am Betriebsstundenzähler. Die Leistungsaufnahme im Leerlauf steht im Datenblatt. Steht sie nicht drin, rechne mit 20–30 % der Lastlaufleistung.
Worauf du außerdem achten solltest
Abstufung prüfen
Ob deine Kompressoren zueinander passen, zeigt ein Regeldiagramm: Wo liegen Regellücken, welcher Kompressor läuft wann?
→ Regelungsarten von KompressorenÜbergeordnete Steuerung
Mehrere Kompressoren brauchen eine Steuerung, die sie sinnvoll zu- und abschaltet. Und sie muss richtig eingestellt sein.
→ Übergeordnete KompressorsteuerungDrehzahlgeregelter Kompressor
Ein guter drehzahlgeregelter Kompressor gleicht Schwankungen aus und schaltet ab, statt im Leerlauf zu laufen.
→ Drehzahlgeregelte KompressorenEin großer oder zwei kleine?
Ein großer Kompressor im Leerlauf kostet deutlich mehr als ein kleiner. Die richtige Aufteilung spart jeden Tag.
→ Ein großer oder zwei kleine Kompressoren? (folgt)Behälter richtig dimensionieren
Ein ausreichend großer Druckluftbehälter beruhigt den Druck und verringert das Pendeln zwischen Last und Leerlauf.
→ Druckluftbehälter richtig dimensionieren (folgt)Was kostet dich deine Druckluft?
Leerlauf treibt den Preis pro m³ nach oben. Wie hoch er bei dir ist, rechnest du hier aus.
→ Was kostet Druckluft wirklich?Praxistipp
Bevor du an der Steuerung drehst, prüf die Abstufung. Passen die Kompressoren von der Größe her nicht zum Bedarf, läuft immer einer im Leerlauf, egal wie intelligent die Steuerung ist. Erst die richtige Größe, dann die richtige Einstellung.
Häufige Fragen
Wie viel Strom braucht ein Kompressor im Leerlauf?
Ein Schraubenkompressor braucht im Leerlauf etwa 20 bis 30 % seiner Lastlaufleistung, ohne dabei Druckluft zu liefern. Den genauen Wert nennt das Datenblatt.
Wann sind es zu viele Leerlaufstunden?
Liegen die Leerlaufstunden bei mehr als 30 % der Laststunden, besteht Handlungsbedarf. Dann passen Kompressorgröße, Abstufung oder Steuerung nicht mehr zum Bedarf.
Warum schaltet der Kompressor nicht einfach ab?
Weil der Motor nur eine begrenzte Zahl von Starts pro Stunde verträgt. Je größer der Motor, desto weniger Starts sind erlaubt, bei einem 150-kW-Motor oft nur rund 4 pro Stunde. Sind sie aufgebraucht, läuft der Kompressor im Leerlauf weiter. Die genauen Werte legt der Hersteller fest.