Druckluft-FachbuchAus der Praxis für die Praxis Praxiswissen von Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen Inhaltsverzeichnis
Kapitel wählen
  1. 1Grundlagen
  2. 2Erzeugung
  3. 3Steuerung
  4. 4Aufbereitung
  5. 5Verteilung
  6. 6Kompressorraum
  7. 7Energie & Kosten
  8. 8Planen & Beschaffen
  9. 9Recht & Betrieb
  10. 10Branchen

Druckluft-Fachbuch › Kapitel 2: Drucklufterzeugung & Kompressoren › Drehzahlgeregelte Kompressoren

Kapitel 2 · Thema 2.8

Drehzahlgeregelte Kompressoren: Wann sie sich lohnen und woran du gute erkennst

Ein drehzahlgeregelter Kompressor passt seine Drehzahl über einen Frequenzumrichter dem Bedarf an. Er liefert genau so viel Luft, wie gerade gebraucht wird. Das bedeutet: keine Überverdichtung, ein stabiler Netzdruck und kein Leerlauf. Er ist teurer in der Anschaffung, aber weil der Strom der größte Kostenfaktor ist, holt er das bei schwankendem Bedarf schnell wieder rein.

Lesezeit ca. 6 Minuten · mit Rechner · Stand Oktober 2026

Die Richtwerte auf einen Blick

PunktRichtwertWarum?
Wann er sich lohntschwankender BedarfKeine Überverdichtung, stabiler Druck, kein Leerlauf. Die Mehrkosten in der Anschaffung kompensieren sich schnell.
Wann nichtkonstante VolllastLäuft der Kompressor ohnehin immer voll, etwa an einer Strahlanlage, bringt die Drehzahlregelung nichts.
Mehrverbrauch bei Volllastca. 3–5 %Der Frequenzumrichter hat eigene Verluste. Bei modernen, guten Kompressoren ist der Unterschied oft gering.
Regelbereich im Verbund≥ größter Kompressor mit fester DrehzahlAm besten etwas größer, sonst entstehen Regellücken beim Zu- und Abschalten.
Mehrere drehzahlgeregelte Kompressorenbei schwankendem Bedarf sinnvollAnlagen mit drei sind oft Standard: zwei sorgen für den Betrieb ohne Regellücke, der dritte ist Reserve. Die Steuerung wechselt sie durch, damit alle gleich ausgelastet sind.

Gut oder Mogelpackung: Auf die Kennlinie kommt es an

Ein Kompressor mit fester Drehzahl hat im Lastlauf immer etwa dieselbe spezifische Leistung. Ein drehzahlgeregelter hat eine Kennlinie: Im niedrigen Drehzahlbereich ist er meist schlechter, im mittleren Bereich meist richtig gut, und zum oberen Ende hin wird der Wirkungsgrad wieder schlechter. Zwischen den Anbietern gibt es dabei erhebliche Unterschiede:

Gute drehzahlgeregelte KompressorenSchlechte drehzahlgeregelte Kompressoren
großer, durchgängiger Regelbereichkleiner Regelbereich, oft mit Regellücken
flache Kennlinieausgeprägte „Badewannenkurve“
schalten bei geringem Bedarf ab und starten sanft wiedergehen zum Teil in den Leerlauf

Lass dir vom Anbieter immer schriftlich geben:

  • Wie groß ist der gesamte Regelbereich?
  • Gibt es Regellücken, die überfahren werden?
  • Geht der Kompressor in den Leerlauf, oder schaltet er direkt ab?
  • Leistungsaufnahme und Liefermenge abgestuft bei 100 %, 90 %, 80 %, 70 % … bis zur kleinsten Drehzahl.

Nur so erkennst du, ob du einen wirklich guten drehzahlgeregelten Kompressor vor dir hast oder eine Mogelpackung mit vorgeschaltetem Frequenzumrichter.

Der drehzahlgeregelte Kompressor im Verbund

In größeren Anlagen ist er meist das Herzstück: Er übernimmt die Schwankungen, während Kompressoren mit Last-Leerlauf-Regelung die Grundlast in Volllast fahren, denn dort sind sie effizienter. Erreicht der drehzahlgeregelte Kompressor etwa 95 %, schaltet die übergeordnete Steuerung den nächsten Kompressor dazu, und er regelt wieder herunter. Damit das ohne Lücke funktioniert, muss sein Regelbereich mindestens so groß wie der größte Kompressor mit fester Drehzahl sein, besser etwas größer.

Zwei drehzahlgeregelte Kompressoren parallel ergeben einen sehr großen Regelbereich und bieten zugleich Redundanz.

Was passiert, wenn …?

  • … der Regelbereich zu klein ist? Beim Zu- und Abschalten anderer Kompressoren entstehen Regellücken. Der Druck schwankt, und Kompressoren laufen unnötig im Leerlauf.
  • … der Kompressor eine Badewannenkurve hat? Er arbeitet nur in einem schmalen Bereich effizient, und im Rest verschenkst du Energie.
  • … er bei konstanter Volllast läuft? Du zahlst 3–5 % Mehrverbrauch für eine Regelung, die du nicht brauchst.

Bonus: kein Stromstoß beim Anlauf

Drehzahlgeregelte Kompressoren starten weich über den Frequenzumrichter. Große Kompressoren ziehen beim direkten Anlauf sonst kurzzeitig ein Vielfaches ihres Nennstroms: Ein 200-kW-Kompressor mit dem vierfachen Nennstrom verursacht eine kurze Spitze von rund 800 kW. Auch wenn sie nur Sekunden dauert, muss der Netzbetreiber diese Leistung bereitstellen, und das kostet Geld.

Frequenzumrichter haben auch Nebenwirkungen auf das Stromnetz und die Motorlager. Das behandeln wir in eigenen Themen: Netzrückwirkungen (folgt) und Motorlagerschäden bei Frequenzumrichtern (folgt).

So rechnest du, ob sich die Drehzahlregelung lohnt

Der Rechner vergleicht einen Kompressor mit Last-Leerlauf-Regelung mit einem gleich großen drehzahlgeregelten bei deinem durchschnittlichen Bedarf.

Last-Leerlauf: Strom pro Jahr–
Drehzahlgeregelt: Strom pro Jahr–
Ersparnis pro Jahr–

Stark vereinfacht: Last-Leerlauf-Kompressor ohne Abschalten (ungünstigster Fall), Überverdichtung mit 7 % je bar. Der drehzahlgeregelte Kompressor wird mit einer flachen Kennlinie gerechnet, also so, wie ein guter arbeitet. Bei schlechter Kennlinie fällt die Ersparnis kleiner aus.

Worauf du außerdem achten solltest

Übergeordnete Steuerung

Erst mit einer guten Steuerung spielt der drehzahlgeregelte Kompressor im Verbund seine Stärken aus.

→ Übergeordnete Kompressorsteuerung

Abstufung prüfen

Mit dem Regeldiagramm siehst du, ob Regelbereich und Kompressorgrößen zusammenpassen.

→ Regelungsarten und Regeldiagramm

Angebote richtig vergleichen

Spezifische Leistung, ISO 1217 und Gesamtleistungsaufnahme an der Klemme.

→ Spezifische Leistung

Anlaufverfahren

Stern-Dreieck, Sanftanlauf oder Frequenzumrichter: was beim Start passiert.

→ Anlaufverfahren im Vergleich (folgt)

Praxistipp

Aus der Praxis des Sachverständigen

Kauf keinen drehzahlgeregelten Kompressor nach Prospekt. Lass dir die Werte in 10-%-Schritten geben und schau, wie groß der Regelbereich wirklich ist, ob es Lücken gibt und ob er abschaltet statt in den Leerlauf zu gehen. Die guten haben eine flache Kurve, die schlechten eine Badewanne.

Häufige Fragen

Wann lohnt sich ein drehzahlgeregelter Kompressor?

Immer dann, wenn der Bedarf schwankt. Er vermeidet Überverdichtung und Leerlauf und hält den Netzdruck stabil. Bei konstanter Volllast, zum Beispiel an einer Strahlanlage, lohnt er sich nicht.

Wie groß muss der Regelbereich im Verbund sein?

Mindestens so groß wie der größte Kompressor mit fester Drehzahl, besser etwas größer. Sonst entstehen beim Zu- und Abschalten Regellücken.

Verbraucht ein drehzahlgeregelter Kompressor mehr Strom?

Bei Volllast etwa 3 bis 5 % mehr, wegen der Verluste im Frequenzumrichter. Bei modernen, guten Kompressoren ist der Unterschied oft gering. Bei schwankendem Bedarf überwiegt die Einsparung durch weniger Überverdichtung und keinen Leerlauf deutlich.

Roland Rau

Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen inkl. Peripherie (zertifiziert nach DIN EN ISO/IEC 17024), Geschäftsführer der Roland Rau Air-Expert GmbH. Mehr zum Autor

Aus dem Magazin

Passende Fachartikel zum Thema

Alle Artikel im Magazin →