Druckluft-FachbuchAus der Praxis für die Praxis Praxiswissen von Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen Inhaltsverzeichnis
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  9. 9Recht & Betrieb
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Druckluft-Fachbuch › Kapitel 3: Steuerung & Regelung › Regelungsarten

Kapitel 3 · Thema 3.1

Regelungsarten von Kompressoren: Wie dein Kompressor auf den Bedarf reagiert

Der Druckluftbedarf schwankt ständig: Maschinen starten, Schichten wechseln, nachts läuft wenig. Die Regelung entscheidet, wie dein Kompressor darauf reagiert. Ob er abschaltet, im Leerlauf weiterläuft oder seine Drehzahl anpasst, macht über das Jahr einen großen Unterschied bei den Stromkosten.

Lesezeit ca. 7 Minuten · mit Regeldiagramm-Tool · Stand Oktober 2026

Die Regelungsarten auf einen Blick

RegelungsartSo funktioniert'sTypisch fürWorauf achten?
Aussetzregelung
Last ↔ Stillstand
Der Kompressor pumpt den Behälter auf, schaltet ab und startet wieder, wenn der Druck gefallen ist. Breites Druckband, zum Beispiel ein bei 8 bar, aus bei 10 bar.kleine Kolbenkompressoren, wie man sie aus dem Baumarkt kenntKleine Motoren vertragen viele Starts. Aber keine Dauerlast: Erreicht der Kompressor seinen Ausschaltdruck nie, läuft er sich kaputt.
Leerlaufregelung
Last ↔ Leerlauf
Ist der Druck erreicht, saugt der Kompressor keine Luft mehr an, Motor und Verdichterstufe drehen aber weiter.ungeregelte SchraubenkompressorenIm Leerlauf braucht er bis zu 30 % seiner Leistung, ohne Luft zu liefern.
Verzögerte Aussetzregelung
Last → Leerlauf → Stillstand
Wie die Leerlaufregelung, nur schaltet der Kompressor nach einer Weile im Leerlauf ganz ab.die meisten SchraubenkompressorenGroße Motoren dürfen nur wenige Male pro Stunde starten, ein 200-kW-Motor zum Beispiel 4-mal. Sind die Starts verbraucht, bleibt er im Leerlauf, im Extremfall eine halbe Stunde.
AnsaugdrosselungDie Ansaugluft wird gedrosselt, der Kompressor liefert weniger.einfache TeillastregelungNur bedingt wirtschaftlich: kleiner Regelbereich, und die spezifische Leistung wird schlechter.
DrehzahlregelungEin Frequenzumrichter passt die Drehzahl und damit die Liefermenge dem Bedarf an.meist SchraubenkompressorenRegelbereich je nach Hersteller und Modell sehr unterschiedlich. Etwas Mehrverbrauch durch den Frequenzumrichter, bei guten Kompressoren kaum spürbar.

Warum ein breites Druckband kein Allheilmittel ist

Bei Leerlaufregelung hilft ein breiteres Druckband und ein größerer Behälter: Der Kompressor läuft länger am Stück und steht dafür auch länger still. Der Haken: Der untere Einschaltdruck muss so hoch sein, dass alle Verbraucher sicher versorgt sind. Ein breiteres Druckband lässt sich deshalb nur nach oben verschieben. Du verdichtest höher, als du brauchst, und jedes bar mehr kostet 6–8 % mehr Energie, und das im Dauerbetrieb.

Weniger Leerlauf auf der einen Seite, dauerhaft höhere Kosten auf der anderen: Hier muss das richtige Maß gefunden werden, und das macht die Einstellung oft nicht leicht.

Der Vorteil der Drehzahlregelung: Sie muss nicht überverdichten. Der Netzdruck bleibt stabil, und der Kompressor liefert genau das, was gebraucht wird. Diese Einsparung überwiegt den etwas höheren Verbrauch durch den Frequenzumrichter.

Was passiert, wenn die Regelung nicht zum Bedarf passt?

  • Viel Leerlauf: Der Kompressor liefert nichts, verbraucht aber bis zu 30 % Energie. Die spezifische Leistung ist in diesem Moment unendlich schlecht.
  • Überverdichtung: Das Druckband wird nach oben verbreitert, jedes bar kostet 6–8 % mehr Energie.
  • Zu viele Starts: Der Motor erreicht seine zulässigen Schaltspiele und bleibt im Leerlauf hängen.
  • Dauerlast am Kolbenkompressor: Er erreicht seinen Ausschaltdruck nie und verschleißt schnell.

Bewährte Konzepte für größere Anlagen

Drehzahlgeregelt oben, Last-Leerlauf unten

Ein drehzahlgeregelter Kompressor mit großem Regelbereich übernimmt die Schwankungen. Darunter decken Kompressoren mit Last-Leerlauf-Regelung die Grundlast ab, denn im Dauerbetrieb sind sie effizienter. So fährst du ein schmales Druckband mit effizienten Grundlastmaschinen. Voraussetzung: Das System ist richtig ausgelegt, und Grund-, Mittel- und Spitzenlast verschieben sich nicht.

Stark schwankender Bedarf: nur drehzahlgeregelt

Schwankt die Abnahme dauerhaft stark, setzt man besser nur drehzahlgeregelte Kompressoren ein. Egal welche Variante: Immer gehört eine übergeordnete Steuerung dazu, damit das Ganze effizient läuft.

Schaltdifferenz: individuell einstellen

Welche Ein- und Ausschaltdrücke die richtigen sind, muss für jede Anlage individuell geklärt werden. Ist alles gut aufeinander abgestimmt, können 0,3 bar reichen. Schalten die Kompressoren dabei zu häufig, hilft nur ein breiteres Druckband, mit den Mehrkosten von oben. Mehr dazu in Thema 3.6.

Grundlast, Mittellast, Spitzenlast: deine Abstufung prüfen

Ob deine Kompressoren zum Bedarf passen, erkennst du nur mit einer Messung deines Druckluftverbrauchs, zum Beispiel über eine Woche. Aus der Verbrauchskurve liest du drei Bereiche ab:

BereichWas ist das?
GrundlastDer Verbrauch, der über die Woche nie unterschritten wird. Wochenenden mit wenig oder keiner Arbeit lässt du dabei zunächst außen vor.
MittellastDer Bereich, in dem die Anlage die meiste Zeit läuft, ohne die Ausreißer nach oben. Hier findet die Regelung die meiste Zeit statt.
SpitzenlastEchte Spitzen: zum Beispiel 2- oder 3-mal pro Woche für kurze Zeit oder mehrmals am Tag für ein paar Sekunden, wenn Maschinen starten oder plötzlich etwas abgeblasen wird.

Spitzen müssen abgedeckt werden. Bei sehr kurzen Spitzen von wenigen Sekunden helfen mehr Puffervolumen oder ein etwas breiteres Druckband. Bei länger anhaltenden Spitzen muss für diesen Bereich gegebenenfalls ein weiterer Kompressor vorgehalten werden.

Mit dem Regeldiagramm trägst du deine drei Lastbereiche und deine Kompressoren ein und siehst sofort, welche Liefermengen lückenlos abgedeckt sind und wo Regellücken entstehen. KMF steht für einen Kompressor mit fester Drehzahl, KMD für einen drehzahlgeregelten. Die Farben bei Kompressoren mit fester Drehzahl zeigen, wie weit der Bedarf unter ihrer Liefermenge liegt: grün bis 15 %, orange 16–50 %, rot ab 51 %. Je größer der Abstand, desto mehr Leerlauf.

Regeldiagramm – Kompressor-Abstufung & Regellücken

Dieses Tool zeigt sachlich, welche Liefermengen-Bereiche mit deiner Kompressorkombination kontinuierlich abdeckbar sind – und wo Regellücken bzw. kritische Bereiche entstehen.

Auto-Skalierung: max +10%

Eingaben

Einheit: m³/min
Kompressoren (max. 10)
Typen: KMF = Kompressor mit Festdrehzahl (Fix-Liefermenge), KMD = Kompressor mit Drehzahlregelung (Min/Max).
Unter dem Min-Bereich eines KMD wird rot markiert (kritisch: Taktbetrieb / Schaltspiele).
Hinweis: In der reduzierten Ansicht werden nur die Kombinationen gezeigt, die deine Lastlinien (Grund/Mittel/Spitze) direkt betreffen. Über „Alle Varianten anzeigen“ kannst du alle Kombinationen durchsuchen.

Ergebnis

Fakten & Einordnung
Skala (auto)
0–0 m³/min
Spitzenlast
0 m³/min
Summe Max. Liefermenge
0 m³/min
Redundanz (Summe Max − Spitze)
0 m³/min
  • Reduzierte Ansicht: Kombinationen, die Grund/Mittel/Spitze treffen.
  • KMD unter Min-Bereich = Rot (kritisch: Taktbetrieb wahrscheinlich).
  • KMF-Bewertung links vom Fixpunkt: Grün (≤15%), Orange (16–50%), Rot (≥51%).
Modus: Reduzierte Ansicht (schneller Überblick).

Diagramm

Full-Width • SVG • m³/min
Abdeckung & Regellücken (reduziert)
Skala: 0–0 m³/min
abdeckbar (kontinuierlich)
kritisch / Regellücke
KMF-Leerlaufzone (16–50% über Bedarf)
Lastlinien (Grund/Mittel/Spitze)

Technische Analyse der aktuellen Ansicht

automatisch aus deinen Eingaben
Analyse wird berechnet …
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Worauf du außerdem achten solltest

Übergeordnete Steuerung

Mehrere Kompressoren müssen miteinander reden, sonst arbeiten sie gegeneinander.

→ Übergeordnete Kompressorsteuerung

Drehzahlgeregelte Kompressoren

Wann sie sich lohnen und woran du einen guten erkennst.

→ Drehzahlgeregelte Kompressoren

Leerlaufverluste

Was Leerlauf kostet und ab wann du handeln solltest.

→ Leerlaufverluste

Verbrauch messen

Ohne Messung keine richtige Abstufung. So entsteht dein Lastprofil.

→ Lastprofil und Verbrauchsmessung (folgt)

Druckband einstellen

Ein- und Ausschaltdrücke richtig wählen, ohne unnötig zu überverdichten.

→ Druckband und Schaltdifferenz (folgt)

Puffervolumen

Ein passender Behälter fängt kurze Spitzen ab und beruhigt die Regelung.

→ Druckluftbehälter richtig dimensionieren (folgt)

Praxistipp

Aus der Praxis des Sachverständigen

Schau dir nicht nur die Kompressoren an, sondern auch die Prozesse. Eine Messung zeigt, wann was passiert. Wer seinen Betrieb kennt, kann Verbraucher oft so steuern, dass sie nicht gleichzeitig viel Luft abnehmen. Das glättet die Spitzen, spart Energie und manchmal sogar einen ganzen Kompressor.

Häufige Fragen

Welche Regelung ist die beste für meinen Kompressor?

Das hängt vom Bedarf ab. Kleine Kolbenkompressoren arbeiten mit Aussetzregelung. Ungeregelte Schraubenkompressoren laufen mit Last-Leerlauf oder verzögerter Aussetzregelung. Bei schwankendem Bedarf ist ein drehzahlgeregelter Kompressor meist die wirtschaftlichste Lösung, bei mehreren Kompressoren immer mit übergeordneter Steuerung.

Warum hilft ein breiteres Druckband nicht immer?

Weil der untere Einschaltdruck nicht sinken darf, sonst fehlt den Verbrauchern Druck. Das Druckband lässt sich nur nach oben verbreitern. Der Kompressor verdichtet dann höher als nötig, und jedes bar mehr kostet 6 bis 8 % mehr Energie.

Was sind Grundlast, Mittellast und Spitzenlast?

Grundlast ist der Verbrauch, der über die Woche nie unterschritten wird. Mittellast ist der Bereich, in dem die Anlage die meiste Zeit läuft. Spitzenlast sind kurze Ausreißer nach oben. Ermittelt werden sie mit einer Verbrauchsmessung.

Roland Rau

Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen inkl. Peripherie (zertifiziert nach DIN EN ISO/IEC 17024), Geschäftsführer der Roland Rau Air-Expert GmbH. Mehr zum Autor

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