Druckluft-FachbuchAus der Praxis für die Praxis Praxiswissen von Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen Inhaltsverzeichnis
Kapitel wählen
  1. 1Grundlagen
  2. 2Erzeugung
  3. 3Steuerung
  4. 4Aufbereitung
  5. 5Verteilung
  6. 6Kompressorraum
  7. 7Energie & Kosten
  8. 8Planen & Beschaffen
  9. 9Recht & Betrieb
  10. 10Branchen

Druckluft-Fachbuch › Kapitel 8: Messen, Planen & Beschaffen › Lastprofil und Verbrauchsmessung

Kapitel 8 · Thema 8.2

Lastprofil und Verbrauchsmessung: Grundlast, Mittellast und Spitzen erkennen

Eine Verbrauchsmessung zeichnet über einen Zeitraum auf, wie viel Druckluft wann gebraucht wird. Daraus entsteht das Lastprofil. Es zeigt drei Dinge: die Grundlast, die immer gebraucht wird, die Mittellast, in der die Kompressoren meistens arbeiten, und die Spitzen, die nur selten auftreten. Gerade bei den Spitzen lohnt sich ein genauer Blick. Oft lassen sie sich durch eine Optimierung im Prozess senken oder ganz vermeiden, und dann muss die Anlage nicht für sie ausgelegt werden.

Lesezeit ca. 5 Minuten · mit Spitzen-Rechner · Stand November 2026

Das Lastprofil lesen

Mo Di Mi Do Fr Sa So 0 4 8 12 m³/min Grundlast Mittellast Spitze ohne Produktion

Schematisches Lastprofil einer Woche mit zwei Schichten von Montag bis Freitag.

BereichWas er bedeutetWas er für die Anlage heißt
GrundlastDie Druckluft, die während der Produktion an allen Tagen immer abgenommen wird.Sie kann ein Kompressor im besten Wirkungsgrad dauerhaft liefern.
MittellastDer Bereich, in dem die Kompressoren die meiste Zeit betrieben werden und regeln.Hier entscheidet sich, wie wirtschaftlich die Anlage läuft. Regelung und Abstufung der Kompressoren müssen dazu passen.
SpitzenlastKurzzeitige Spitzen, die nur selten am Tag, in der Woche oder im Monat auftreten.Zuerst die Ursache klären. Erst danach entscheiden, ob Kompressorleistung, ein Speicher oder eine Änderung im Prozess die richtige Antwort ist.

Auch die Zeiten ohne Produktion sind aufschlussreich. Läuft nachts oder am Wochenende kein Verbraucher, zeigt die Messung zum großen Teil die Leckage.

Wie lange messen?

Je länger gemessen wird, desto genauer ist das Bild. Mindestens eine Woche bei typischem Betrieb sollte es sein, damit alle Schichten und Wochentage enthalten sind. Gemessen werden vor allem der Volumenstrom und der Druck, dazu die elektrische Leistung der Kompressoren. Welche Messgeräte sich eignen, steht in Messgeräte für Druckluft im Vergleich.

Was eine Messung zeigt und was nicht

Die Messung zeigtDie Messung zeigt nicht
Wie viel Druckluft wann gebraucht wirdWie sich der Bedarf künftig entwickelt, neue Maschinen müssen dazugerechnet werden
Grundlast, Mittellast und SpitzenWarum eine Spitze entsteht, dazu muss man in den Prozess schauen
Verbrauch ohne Produktion, also die LeckageWas in Wochen passiert, die nicht gemessen wurden, zum Beispiel bei Sonderschichten oder Saisonbetrieb
Druckverlauf und DruckeinbrücheEine richtige Aussage, wenn die Messwoche untypisch war oder der Sensor falsch sitzt

Was passiert, wenn es falsch gemacht wird?

Typischer FehlerFolge
Nur einen Tag gemessenWochentage, Schichten und seltene Spitzen fehlen.
Anlage auf die höchste Spitze ausgelegtDie zusätzliche Leistung wird nur selten gebraucht und läuft den Rest der Zeit im Leerlauf mit.
Ursache der Spitzen nicht gesuchtSpitzen, die sich im Prozess vermeiden ließen, werden teuer mit Kompressorleistung abgedeckt.
Messung nicht auf Plausibilität geprüftFalsche Werte führen zu einer falschen Auslegung.

So rechnest du: Spitze aus einem Speicher abdecken

Puffervolumen (m³) = Mehrverbrauch (m³/min) × Dauer (s) ÷ 60 ÷ zulässiger Druckabfall (bar)Beispiel: Die Messung zeigt eine Spitze von 13 m³/min. Die laufenden Kompressoren liefern 10 m³/min. Die Spitze dauert 30 Sekunden, der Druck darf um 1 bar sinken. 3 × 30 ÷ 60 ÷ 1 = 1,5 m³ Behälter. Ein dritter Kompressor nur für diese Spitze wäre die teurere Lösung. Noch besser ist es, wenn sich die Spitze im Prozess vermeiden lässt.
Mehrverbrauch–
Luftmenge der Spitze–
Benötigtes Puffervolumen–

Vereinfachte Rechnung ohne Temperatureinfluss. Der Druck beim Verbraucher darf auch am Ende der Spitze nicht unter den Mindestdruck fallen. Mehr zur Behältergröße in Druckluftbehälter dimensionieren.

Worauf du außerdem achten solltest

Verbrauch ermitteln

Bestand, Erweiterung und Neubau richtig berechnen.

→ Druckluftverbrauch ermitteln

Messgeräte

Welches Messprinzip wofür geeignet ist.

→ Messgeräte im Vergleich

Übergeordnete Steuerung

Damit die Kompressoren zur Mittellast passen.

→ Übergeordnete Steuerung

Behälter

Speicher für kurze Spitzen richtig auslegen.

→ Behälter dimensionieren

Praxistipp

Aus der Praxis des Sachverständigen

Schauen Sie sich jede auffällige Spitze im Lastprofil genau an und fragen Sie im Betrieb nach, was zu dieser Zeit passiert ist. Oft sind es Abläufe, die sich ändern lassen: mehrere Maschinen, die gleichzeitig gestartet werden, ein Ausblasvorgang, der länger läuft als nötig, oder ein Prozess, der sich zeitlich verschieben lässt. Jede Spitze, die man im Prozess vermeidet, muss man nicht mit Kompressorleistung bezahlen.

Häufige Fragen

Was ist ein Lastprofil bei Druckluft?

Der Verlauf des Druckluftverbrauchs über die Zeit, ermittelt durch eine Verbrauchsmessung. Daraus lassen sich Grundlast, Mittellast und Spitzenlast ablesen.

Wie lange sollte eine Verbrauchsmessung dauern?

Mindestens eine Woche bei typischem Betrieb. Je länger gemessen wird, desto genauer ist das Ergebnis.

Was ist der Unterschied zwischen Grundlast, Mittellast und Spitzenlast?

Die Grundlast wird während der Produktion immer abgenommen. In der Mittellast arbeiten und regeln die Kompressoren die meiste Zeit. Spitzen treten nur kurzzeitig und selten auf.

Muss die Anlage für die höchste Spitze ausgelegt werden?

Nicht unbedingt. Zuerst sollte die Ursache der Spitze geklärt werden. Oft lässt sie sich im Prozess senken oder vermeiden. Kurze Spitzen kann auch ein Druckluftspeicher abdecken.

Roland Rau

Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen inkl. Peripherie (zertifiziert nach DIN EN ISO/IEC 17024), Geschäftsführer der Roland Rau Air-Expert GmbH. Mehr zum Autor

Aus dem Magazin

Passende Fachartikel zum Thema

Alle Artikel im Magazin →