Druckluft-Fachbuch › Kapitel 8: Messen, Planen & Beschaffen › Messgeräte im Vergleich
Kapitel 8 · Thema 8.3
Messgeräte für Druckluft im Vergleich: Durchfluss, Leistung, Druck und Taupunkt
Wer seine Druckluftanlage nicht misst, fährt wie ein Auto ohne Tacho. Die Kosten und Probleme sind trotzdem da, man sieht sie nur nicht. Für den Durchfluss wird meist das thermische Messprinzip eingesetzt. Es ist ausreichend genau, reagiert aber empfindlich auf Einbaufehler. Dazu gehören die Messung der elektrischen Leistung für die spezifische Leistung, Drucklogger für Druckeinbrüche im Netz und ein Taupunktsensor, der aus Sicht des Sachverständigen ein Muss ist. Messtechnik ist heute nicht mehr teuer. In jede stationäre Druckluftanlage gehört eine feste Messung.
Durchflussmessung: die Messprinzipien
| Messprinzip | Stärken | Schwächen | Einsatz |
|---|---|---|---|
| Thermisch | Einfaches Prinzip, Genauigkeit meist ausreichend. Einmal richtig eingebaut liefert der Sensor in der Regel gute Werte. | Fehleranfällig bei ungenauer Einbaulage, Verwirbelungen am Sensor, Feuchtigkeit in der Luft oder falscher Position. | In den meisten Fällen |
| Blende (Wirkdruck) | Misst zuverlässig, wenn Druck und Temperatur mit erfasst und eingerechnet werden. | Erzeugt ständig einen Druckverlust, auf Dauer nicht sinnvoll. | Eher für zeitlich begrenzte Messungen |
| Coriolis | Misst direkt die Masse der durchströmenden Druckluft, extrem genau. | Extrem teuer. | Wo höchste Genauigkeit gefordert ist |
| Ultraschall | Je nach Bauart von außen auf das Rohr montierbar. | Hat sich in der Drucklufttechnik bislang nicht richtig etabliert. | Bisher eher bei kleineren Mengen |
Thermische Sensoren: worauf es ankommt
- Einbaulage exakt einhalten: Der Sensor muss genau so ausgerichtet sein, wie es der Hersteller vorgibt.
- Ruhige Strömung: Vor und nach dem Sensor braucht es gerade Rohrstrecken ohne Bögen, Ventile oder Querschnittsänderungen. Als Beispiel gelten 15 × Durchmesser davor und 5 × Durchmesser danach. Die genauen Werte beim jeweiligen Hersteller erfragen.
- Trockene Luft: Feuchtigkeit verfälscht das Messergebnis. Der Sensor gehört deshalb hinter den Trockner.
- Plausibilität prüfen: Ergebnisse zwischendurch mit der Liefermenge und Laufzeit der Kompressoren vergleichen.
- Regelmäßig kalibrieren: Nur so bleibt die Messung über die Jahre verlässlich.
Weitere Messgrößen, die dazugehören
| Messgerät | Wozu |
|---|---|
| Stromzange oder Leistungsmessgerät | Erfasst die elektrische Leistung der Kompressoren. Zusammen mit dem Durchfluss ergibt sich die spezifische Leistung, die wichtigste Kennzahl für die Wirtschaftlichkeit. |
| Drucklogger | Zeigt zum Beispiel an einzelnen Maschinen, wo und wann der Druck einbricht. So lässt sich das Druckluftnetz gezielt optimieren. |
| Taupunktsensor | Ein Muss. Kältetrockner messen den Taupunkt in der Regel nicht selbst. Sie zeigen unter Umständen keine Störung an, obwohl feuchte Luft ins Netz gelangt, zum Beispiel wenn der Kondensatableiter nicht arbeitet. Die Folgen: Wasser, Verschmutzung und Rost im Netz und am Ende Probleme bei der Anwendung. |
Mobil oder fest installiert?
Eine mobile Messung liefert eine Momentaufnahme, zum Beispiel für die Planung einer neuen Anlage. Fest installierte Messtechnik gehört in jede stationäre Druckluftanlage. Nur so lassen sich die Kosten transparent darstellen, Verschlechterungen rechtzeitig erkennen und Optimierungsmaßnahmen wirtschaftlich bewerten. Wer an der Messtechnik spart, spart am falschen Ende.
Was passiert, wenn es falsch gemacht wird?
| Typischer Fehler | Folge |
|---|---|
| Thermischer Sensor direkt hinter einem Bogen oder Ventil | Verwirbelungen verfälschen den Messwert. |
| Sensor vor dem Trockner eingebaut | Feuchtigkeit führt zu falschen Werten. |
| Werte nie auf Plausibilität geprüft, nie kalibriert | Falsche Zahlen werden über Jahre für Entscheidungen genutzt. |
| Blende dauerhaft im Netz | Ständiger Druckverlust, den die Kompressoren mit Energie ausgleichen müssen. |
| Kein Taupunktsensor hinter dem Kältetrockner | Feuchte Luft gelangt unbemerkt ins Netz. |
| Gar keine Messtechnik | Kosten, Leckagen und Verschlechterungen bleiben unsichtbar. |
So rechnest du: Einlauf- und Auslaufstrecke für den thermischen Sensor
Worauf du außerdem achten solltest
Praxistipp
Messtechnik ist wie der Tacho im Auto. Baue ich ihn aus, fahre ich trotzdem zu schnell, und wenn ich geblitzt werde, muss ich die Rechnung bezahlen. Nur weil man Kosten und Probleme nicht sieht, heißt das nicht, dass sie nicht da sind. Mindestens Durchfluss, Druck, elektrische Leistung und Taupunkt sollten in jeder stationären Anlage dauerhaft gemessen werden.
Häufige Fragen
Welches Messprinzip wird für Druckluft am häufigsten eingesetzt?
Das thermische Messprinzip. Es ist einfach und meist ausreichend genau, reagiert aber empfindlich auf ungenaue Einbaulage, Verwirbelungen und Feuchtigkeit.
Wie lang muss die gerade Rohrstrecke vor einem Durchflusssensor sein?
Das hängt vom Gerät ab. Als Beispiel gelten 15 × Durchmesser davor und 5 × Durchmesser danach. Die genauen Werte beim Hersteller erfragen.
Braucht man hinter einem Kältetrockner einen Taupunktsensor?
Ja. Kältetrockner messen den Taupunkt in der Regel nicht selbst und zeigen unter Umständen keine Störung an, obwohl feuchte Luft ins Netz gelangt.
Lohnt sich fest installierte Messtechnik?
Ja, in jeder stationären Druckluftanlage. Nur so lassen sich Kosten transparent darstellen, Verschlechterungen rechtzeitig erkennen und Maßnahmen wirtschaftlich bewerten.