Druckluft-FachbuchAus der Praxis für die Praxis Praxiswissen von Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen Inhaltsverzeichnis
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Druckluft-Fachbuch › Kapitel 8: Messen, Planen & Beschaffen › Messgeräte im Vergleich

Kapitel 8 · Thema 8.3

Messgeräte für Druckluft im Vergleich: Durchfluss, Leistung, Druck und Taupunkt

Wer seine Druckluftanlage nicht misst, fährt wie ein Auto ohne Tacho. Die Kosten und Probleme sind trotzdem da, man sieht sie nur nicht. Für den Durchfluss wird meist das thermische Messprinzip eingesetzt. Es ist ausreichend genau, reagiert aber empfindlich auf Einbaufehler. Dazu gehören die Messung der elektrischen Leistung für die spezifische Leistung, Drucklogger für Druckeinbrüche im Netz und ein Taupunktsensor, der aus Sicht des Sachverständigen ein Muss ist. Messtechnik ist heute nicht mehr teuer. In jede stationäre Druckluftanlage gehört eine feste Messung.

Lesezeit ca. 5 Minuten · mit Rechner für die Einbaustrecke · Stand November 2026

Durchflussmessung: die Messprinzipien

MessprinzipStärkenSchwächenEinsatz
ThermischEinfaches Prinzip, Genauigkeit meist ausreichend. Einmal richtig eingebaut liefert der Sensor in der Regel gute Werte.Fehleranfällig bei ungenauer Einbaulage, Verwirbelungen am Sensor, Feuchtigkeit in der Luft oder falscher Position.In den meisten Fällen
Blende (Wirkdruck)Misst zuverlässig, wenn Druck und Temperatur mit erfasst und eingerechnet werden.Erzeugt ständig einen Druckverlust, auf Dauer nicht sinnvoll.Eher für zeitlich begrenzte Messungen
CoriolisMisst direkt die Masse der durchströmenden Druckluft, extrem genau.Extrem teuer.Wo höchste Genauigkeit gefordert ist
UltraschallJe nach Bauart von außen auf das Rohr montierbar.Hat sich in der Drucklufttechnik bislang nicht richtig etabliert.Bisher eher bei kleineren Mengen

Thermische Sensoren: worauf es ankommt

Weitere Messgrößen, die dazugehören

MessgerätWozu
Stromzange oder LeistungsmessgerätErfasst die elektrische Leistung der Kompressoren. Zusammen mit dem Durchfluss ergibt sich die spezifische Leistung, die wichtigste Kennzahl für die Wirtschaftlichkeit.
DruckloggerZeigt zum Beispiel an einzelnen Maschinen, wo und wann der Druck einbricht. So lässt sich das Druckluftnetz gezielt optimieren.
TaupunktsensorEin Muss. Kältetrockner messen den Taupunkt in der Regel nicht selbst. Sie zeigen unter Umständen keine Störung an, obwohl feuchte Luft ins Netz gelangt, zum Beispiel wenn der Kondensatableiter nicht arbeitet. Die Folgen: Wasser, Verschmutzung und Rost im Netz und am Ende Probleme bei der Anwendung.

Mobil oder fest installiert?

Eine mobile Messung liefert eine Momentaufnahme, zum Beispiel für die Planung einer neuen Anlage. Fest installierte Messtechnik gehört in jede stationäre Druckluftanlage. Nur so lassen sich die Kosten transparent darstellen, Verschlechterungen rechtzeitig erkennen und Optimierungsmaßnahmen wirtschaftlich bewerten. Wer an der Messtechnik spart, spart am falschen Ende.

Was passiert, wenn es falsch gemacht wird?

Typischer FehlerFolge
Thermischer Sensor direkt hinter einem Bogen oder VentilVerwirbelungen verfälschen den Messwert.
Sensor vor dem Trockner eingebautFeuchtigkeit führt zu falschen Werten.
Werte nie auf Plausibilität geprüft, nie kalibriertFalsche Zahlen werden über Jahre für Entscheidungen genutzt.
Blende dauerhaft im NetzStändiger Druckverlust, den die Kompressoren mit Energie ausgleichen müssen.
Kein Taupunktsensor hinter dem KältetrocknerFeuchte Luft gelangt unbemerkt ins Netz.
Gar keine MesstechnikKosten, Leckagen und Verschlechterungen bleiben unsichtbar.

So rechnest du: Einlauf- und Auslaufstrecke für den thermischen Sensor

Gerade Strecke = Faktor × Innendurchmesser des RohrsBeispiel: Rohr mit 50 mm Innendurchmesser, Beispielfaktoren 15 davor und 5 danach. Davor 15 × 50 = 750 mm, danach 5 × 50 = 250 mm gerade Rohrstrecke ohne Bögen, Ventile oder Querschnittsänderungen.
Gerade Strecke davor–
Gerade Strecke danach–

Die Faktoren sind Beispielwerte, nur zur Orientierung. Maßgeblich sind die Angaben des jeweiligen Sensorherstellers.

Worauf du außerdem achten solltest

Lastprofil

Was man aus der Messung herauslesen kann.

→ Lastprofil und Messung

Spezifische Leistung

Leistung und Durchfluss zusammen bewerten.

→ kW pro m³/min

Kältetrockner

Warum der Taupunkt überwacht werden muss.

→ Kältetrockner

Druckluftqualität

Taupunkt und Reinheit nach ISO 8573-1.

→ ISO 8573

Praxistipp

Aus der Praxis des Sachverständigen

Messtechnik ist wie der Tacho im Auto. Baue ich ihn aus, fahre ich trotzdem zu schnell, und wenn ich geblitzt werde, muss ich die Rechnung bezahlen. Nur weil man Kosten und Probleme nicht sieht, heißt das nicht, dass sie nicht da sind. Mindestens Durchfluss, Druck, elektrische Leistung und Taupunkt sollten in jeder stationären Anlage dauerhaft gemessen werden.

Häufige Fragen

Welches Messprinzip wird für Druckluft am häufigsten eingesetzt?

Das thermische Messprinzip. Es ist einfach und meist ausreichend genau, reagiert aber empfindlich auf ungenaue Einbaulage, Verwirbelungen und Feuchtigkeit.

Wie lang muss die gerade Rohrstrecke vor einem Durchflusssensor sein?

Das hängt vom Gerät ab. Als Beispiel gelten 15 × Durchmesser davor und 5 × Durchmesser danach. Die genauen Werte beim Hersteller erfragen.

Braucht man hinter einem Kältetrockner einen Taupunktsensor?

Ja. Kältetrockner messen den Taupunkt in der Regel nicht selbst und zeigen unter Umständen keine Störung an, obwohl feuchte Luft ins Netz gelangt.

Lohnt sich fest installierte Messtechnik?

Ja, in jeder stationären Druckluftanlage. Nur so lassen sich Kosten transparent darstellen, Verschlechterungen rechtzeitig erkennen und Maßnahmen wirtschaftlich bewerten.

Roland Rau

Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen inkl. Peripherie (zertifiziert nach DIN EN ISO/IEC 17024), Geschäftsführer der Roland Rau Air-Expert GmbH. Mehr zum Autor

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