Druckluft-Fachbuch › Kapitel 7: Energieeffizienz & Kosten › Contracting
Kapitel 7 · Thema 7.10
Contracting: Druckluft als Dienstleistung, wie es funktioniert und für wen es sich lohnt
Beim Druckluft-Contracting plant, finanziert, baut und betreibt ein Dienstleister die Druckluftstation. Der Betrieb kauft keine Kompressoren, sondern Druckluft: mit einem festen Grundpreis und einem Preis je Kubikmeter. Service, Wartung und Reparaturen sind enthalten. Interessant ist das vor allem für Betriebe, deren Druckluftversorgung dringend modernisiert werden muss, die aber das Geld für eine komplette Neuanlage nicht auf einmal ausgeben können oder wollen. Dafür bindet man sich meist für rund zehn Jahre, und Finanzierung, Zinsen und Risiko des Dienstleisters stecken im Preis.
So läuft ein Contracting-Projekt ab
- Bestandsaufnahme mit Messung: Der Ist-Zustand der Druckluftanlage wird erfasst, vor Ort werden Verbrauchsmessungen gemacht. So werden der tatsächliche Bedarf und das Verbrauchsprofil ermittelt. Dazu kommt die Frage an den Betrieb: Wird der Verbrauch künftig steigen, sinken oder gleich bleiben?
- Sollkonzept: Aus den Daten entsteht ein Konzept. Neuere Kompressoren werden gegebenenfalls eingebunden, alte ersetzt, oder alles wird komplett neu aufgebaut. Ziel ist, die Wünsche des Betriebs umzusetzen und dafür einen Preis zu ermitteln.
- Druckluftpreis: Aus allen Kosten einschließlich Zinsen ergibt sich der Preis, meist ein fester Grundpreis plus ein Preis je Kubikmeter.
- Schlüsselfertige Umsetzung: Ist der Betrieb mit dem Konzept einverstanden, wird die Station schlüsselfertig gebaut, oft mit Reservekompressoren und Reservetrocknern und einer übergeordneten Steuerung, die alle Kompressoren gleichmäßig auslastet.
- Betrieb über die Laufzeit: Service, Wartung und Reparaturen übernimmt der Dienstleister, mit festgelegten Reaktionszeiten bei Störungen.
- Vertragsende: Nach der Laufzeit, oft rund zehn Jahre, kann der Betrieb die Anlage meist für ein kleines Entgelt übernehmen oder einen neuen Vertrag abschließen.
Was der Betrieb beitragen muss
| Pflicht | Warum? |
|---|---|
| Platz für die Station | Die Anlage steht beim Betrieb, gehört aber während der Laufzeit dem Dienstleister. |
| Zugang rund um die Uhr | Für Service und Störungsbeseitigung über die ganze Laufzeit. |
| Regelmäßige Kontrollgänge | Eine Anlage lässt sich fernüberwachen, aber plötzlich auftretende Geräusche oder Öltropfen am Kompressor sieht und hört man nur vor Ort. |
| Verbrauch im vereinbarten Rahmen | Der Maximalverbrauch wird gedeckelt. Sonst laufen die Reservekompressoren dauerhaft mit und stehen bei einer Störung nicht mehr zur Verfügung. |
Vorteile und Nachteile
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Keine eigene Investition, die Modernisierung ist sofort möglich. | Finanzierung, Zinsen, Risiko und Gewinn des Dienstleisters stecken im Preis. |
| Kalkulierbare Kosten über die Laufzeit. | Lange Bindung, meist rund zehn Jahre. |
| Rundum-sorglos: Service, Wartung, Reparaturen, Reserve und Reaktionszeiten sind geregelt. | Mehrverbrauch über dem vereinbarten Maximum muss neu verhandelt werden. |
| Planung und Bau aus einer Hand. | Leckagen und verschwendete Luft im eigenen Netz bezahlt der Betrieb mit jedem Kubikmeter mit. |
Was passiert, wenn es falsch gemacht wird?
| Typischer Fehler | Folge |
|---|---|
| Ohne Bestandsaufnahme und Messung kalkuliert | Station zu groß oder zu klein, der Preis passt nicht zum tatsächlichen Bedarf. |
| Künftige Entwicklung nicht berücksichtigt | Bei wachsendem Verbrauch reicht die Deckelung nicht, bei sinkendem bleibt der Grundpreis hoch. |
| Liefergrenze unklar | Streit darüber, wer für Druck, Qualität oder Leckagen im Netz verantwortlich ist. |
| Kontrollgänge nicht gemacht | Kleine Schäden werden zu spät erkannt. |
| Vertragsende nicht geregelt | Unklar, ob und zu welchem Preis die Anlage übernommen werden kann. |
Worauf im Vertrag achten
- Was genau geliefert wird: Druck am Übergabepunkt, Menge, Maximalverbrauch, Druckluftqualität nach ISO 8573 und Drucktaupunkt.
- Wo und wie gemessen wird, und wer die Messung prüft.
- Grundpreis, Preis je Kubikmeter und wie sich die Preise ändern, zum Beispiel mit dem Strompreis.
- Ob der Strom im Preis enthalten ist oder vom Betrieb getrennt bezahlt wird.
- Reaktionszeiten, Reserve und Verfügbarkeit.
- Pflichten des Betriebs: Platz, Zugang, Kontrollgänge.
- Wer die Abwärme nutzen darf.
- Laufzeit, Kündigung und was am Vertragsende mit der Anlage passiert.
So rechnest du: Eigenbetrieb oder Contracting?
Eigenbetrieb
Contracting
Worauf du außerdem achten solltest
Praxistipp
Mein Einstieg in die Drucklufttechnik vor rund 25 Jahren war das Contracting. Ein Energieversorger wollte seinen Kunden mehr bieten als nur Strom, und gemeinsam mit einem Ingenieurbüro haben wir für große Anlagen in Stahl-, Metall-, Glas-, Milch- und Automobilindustrie Bestandsaufnahmen gemacht, gemessen, Konzepte geplant und Stationen schlüsselfertig gebaut. Interessiert haben sich vor allem Betriebe mit schlechter Druckluftversorgung, die modernisieren mussten, aber nicht alles auf einmal bezahlen konnten. Mein Rat: Egal ob Contracting oder eigene Investition, am Anfang steht immer die Bestandsaufnahme mit Messung. Und vor der Unterschrift beide Varianten über die ganze Laufzeit ehrlich vergleichen.
Häufige Fragen
Was ist Druckluft-Contracting?
Ein Dienstleister plant, finanziert, baut und betreibt die Druckluftstation. Der Betrieb bezahlt die Druckluft, meist mit einem festen Grundpreis und einem Preis je Kubikmeter. Service, Wartung und Reparaturen sind enthalten.
Für wen lohnt sich Contracting?
Vor allem für Betriebe, deren Druckluftversorgung modernisiert werden muss, die aber nicht alles auf einmal investieren können oder wollen. Ob es sich rechnet, zeigt der Vergleich mit der eigenen Investition über die ganze Laufzeit.
Wie lange läuft ein Contracting-Vertrag?
Oft rund zehn Jahre. Danach kann der Betrieb die Anlage meist für ein kleines Entgelt übernehmen oder einen neuen Vertrag abschließen.
Was muss der Betrieb beim Contracting selbst tun?
Platz für die Station bereitstellen, Zugang rund um die Uhr ermöglichen, regelmäßige Kontrollgänge machen und den vereinbarten Maximalverbrauch einhalten.