Druckluft-Fachbuch › Kapitel 7: Energieeffizienz & Kosten › Restenergie nutzen
Kapitel 7 · Thema 7.9
Restenergie im Druckluftsystem nutzen: Rückführung der Blasluft beim Hochdruck-Blasformen
Die größte nutzbare Restenergie einer Druckluftanlage ist die Wärme der Kompressoren. Sie wird über die Wärmerückgewinnung genutzt. Die Druckenergie der verbrauchten Luft dagegen lässt sich nur in Ausnahmefällen zurückgewinnen. Bekannt und bewährt ist das beim Hochdruck-Blasformen, zum Beispiel von Kunststoffflaschen. Es ist eine Nischenlösung für diesen einen Prozess.
So funktioniert die Rückführung
- Vorverdichten: Ein Schraubenkompressor erzeugt Druckluft, zum Beispiel mit 6 bar Ü, und puffert sie in einem Zwischenbehälter.
- Nachverdichten: Ein mehrstufiger Kolbenkompressor holt sich die Luft aus dem Zwischenbehälter und verdichtet sie weiter auf zum Beispiel 40 bar.
- Blasen: Mit dieser Hochdruckluft werden die Rohlinge in den Formen aufgeblasen.
- Zurückführen: Ist der Blasvorgang abgeschlossen, wird die Luft nicht einfach ins Freie abgelassen. Sie wird zuerst in den Zwischenbehälter zurückgeführt.
- Rest ablassen: Nur der Teil, der unter dem Druck des Zwischenbehälters liegt, geht ins Freie. Dazu gehört die Luft, die in der Flasche verbleibt.
Die ganze Luft lässt sich nie zurückgewinnen. Aber die zurückgeführte Luft muss der vorgeschaltete Kompressor nicht noch einmal erzeugen. Er wird entlastet und spart Energie.
Einordnung
| Punkt | Bewertung |
|---|---|
| Wo es funktioniert | Hochdruckprozesse mit großem, regelmäßig entleertem Volumen, vor allem beim Blasformen |
| Wo nicht | In üblichen 6- bis 8-bar-Netzen gibt es keinen niedrigeren Zwischendruck, in den die Abluft sinnvoll zurückgeführt werden könnte. |
| Wichtigere Restenergie | Die Wärme der Kompressoren. Über die Wärmerückgewinnung lässt sich ein großer Teil der elektrischen Energie nutzen. |
Was passiert, wenn es falsch gemacht wird?
| Typischer Fehler | Folge |
|---|---|
| Blasluft beim Hochdruck-Blasformen komplett ins Freie abgelassen | Luft, die schon auf Hochdruck verdichtet war, geht ungenutzt verloren. |
| Zwischenbehälter zu klein für die zurückgeführte Luft | Der Druck im Behälter steigt zu stark, es kann weniger Luft zurückgeführt werden. |
| Ähnliche Lösungen für normale Netze erwartet | Aufwand ohne Nutzen. Dort liegt das Potenzial bei Leckagen, Druck, Steuerung und Wärmerückgewinnung. |
So rechnest du: Wie viel Luft kann zurückgeführt werden?
Worauf du außerdem achten solltest
Praxistipp
Wer Flaschen oder andere Hohlkörper mit Hochdruck bläst, sollte prüfen, ob die Blasluft zurückgeführt wird. In allen anderen Anlagen lohnt sich der Blick zuerst auf die Wärme der Kompressoren. Dort steckt die Restenergie, die sich fast überall nutzen lässt.
Häufige Fragen
Kann man die Druckenergie der Abluft zurückgewinnen?
Nur in Ausnahmefällen. Bekannt ist das beim Hochdruck-Blasformen: Die Blasluft wird nach dem Blasen in den Zwischenbehälter vor dem Hochdruckkompressor zurückgeführt. In üblichen Druckluftnetzen ist das nicht sinnvoll möglich.
Wie viel Blasluft lässt sich zurückführen?
Nur der Teil, der über dem Druck des Zwischenbehälters liegt. Bei 40 bar Blasdruck und 6 bar Zwischenbehälter sind das theoretisch gut 80 %, in der Praxis weniger.
Welche Restenergie lässt sich in jeder Druckluftanlage nutzen?
Die Wärme der Kompressoren. Fast die gesamte elektrische Energie wird zu Wärme, ein großer Teil davon lässt sich über eine Wärmerückgewinnung nutzen.