Druckluft-FachbuchAus der Praxis für die Praxis Praxiswissen von Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen Inhaltsverzeichnis
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Druckluft-Fachbuch › Kapitel 4: Aufbereitung & Druckluftqualität › Qualifizierung von Druckluftanlagen (GMP)

Kapitel 4 · Thema 4.11

Qualifizierung von Druckluftanlagen (GMP): URS, DQ, IQ, OQ und PQ einfach erklärt

In Pharma- und Lebensmittelbetrieben reicht es nicht, dass die Druckluft gut ist. Du musst es nachweisen, und zwar dauerhaft. Genau das ist die Qualifizierung: ein geordneter Weg von der Anforderung über Planung, Einbau und Funktion bis zum Nachweis im laufenden Betrieb. Der häufigste Fehler ist dabei nicht technisch, sondern organisatorisch: Viele glauben, mit der Erstabnahme sei alles erledigt.

Lesezeit ca. 6 Minuten · mit Qualifizierungs-Check · Stand Oktober 2026

Die fünf Stufen auf einen Blick

StufeDie Frage dahinterWas typischerweise geprüft wird
URS
Lastenheft des Betreibers
Was braucht der Prozess?Benötigte Druckluftqualität nach ISO 8573-1, Druck, Menge, Verbraucher mit Produktkontakt, Verfügbarkeit, Hygieneanforderungen.
DQ
Designqualifizierung
Ist die Planung geeignet?Passen Kompressor, Trocknung, Filter, Werkstoffe und Leitungsführung zu den Anforderungen aus der URS?
IQ
Installationsqualifizierung
Wurde so gebaut wie geplant?Komponenten, Werkstoffe, Einbaulage und Reihenfolge, Kennzeichnung, Dokumentation, Kalibrierung der Messgeräte.
OQ
Funktionsqualifizierung
Funktioniert alles wie vorgesehen?Drucktaupunkt, Druck, Alarme und Störmeldungen, Kondensatableitung, Verhalten bei Ausfall einer Komponente.
PQ
Leistungsqualifizierung
Stimmt die Qualität im echten Betrieb?Messungen an festgelegten Probenahmestellen über einen längeren Zeitraum: Partikel, Wasser, Öl, bei Bedarf Keime.

Eine Orientierung für die Anforderungen an Druckluft in der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie bietet das VDMA-Einheitsblatt 15390-2. Welche Stufen im Einzelnen nötig sind und wie tief geprüft wird, legt der Betrieb in seinem Qualifizierungskonzept fest, abhängig vom Risiko für das Produkt.

Warum die Qualifizierung mit der URS steht und fällt

Alles, was später geprüft wird, misst man an der URS. Steht dort nichts Konkretes, kann niemand sagen, ob die Anlage passt. Viele Probleme, die in IQ, OQ oder PQ auffallen, haben ihren Ursprung in einer ungenauen Anforderung oder einer Planung, die nicht dazu passt.

Typische Schwachstellen in der Designqualifizierung

Wo gemessen wird: Probenahme auf drei Ebenen

Eine einzige Messstelle direkt hinter der Aufbereitung sagt wenig darüber, was beim Produkt ankommt. Bewährt hat sich, auf drei Ebenen zu messen:

1. Nach der Aufbereitung2. Am kritischen Ende der Leitung3. Am Produktkontakt

Die erste Messstelle zeigt, ob Trockner und Filter liefern. Die zweite zeigt, ob das Netz die Qualität hält, etwa an der entferntesten oder kältesten Stelle. Die dritte zeigt, was tatsächlich am Produkt ankommt.

Was passiert, wenn es falsch gemacht wird? Der häufigste Fehler

„Die Qualifizierung endet nach der Erstabnahme.“ Das stimmt nicht. Der qualifizierte Zustand muss erhalten bleiben. Jede Änderung an der Anlage, ein anderer Filter, ein neuer Trockner, eine verlängerte Leitung oder ein neuer Verbraucher, kann ihn beenden.

FehlerFolge
Änderungen ohne Bewertung (kein Änderungsmanagement)Die Anlage ist formal nicht mehr qualifiziert, ohne dass es jemand merkt.
Filter durch andere Typen ersetztDie Leistungsdaten aus der Qualifizierung gelten nicht mehr.
Wartung und Messungen nicht dokumentiertBei einem Audit fehlt der Nachweis, auch wenn die Luft gut war.
Messgeräte nicht kalibriertDie Messwerte sind als Nachweis nicht belastbar.
Nur direkt hinter der Aufbereitung gemessenProbleme im Netz bleiben unentdeckt.

Wann neu qualifiziert wird

In der Pharmaindustrie werden kritische Werte wie der Drucktaupunkt häufig dauerhaft überwacht. In Lebensmittelbetrieben ist die Druckluft meist Teil des HACCP-Konzepts und wird dort in der Regel jährlich bewertet.

So gehst du vor: ein Beispiel aus der Praxis

Ein Lebensmittelbetrieb bläst mit Druckluft Verpackungen aus, die Luft berührt also das Produkt. So läuft die Qualifizierung Schritt für Schritt:

URS → DQ → IQ → OQ → PQ → laufender Betrieb mit Änderungsmanagement und RequalifizierungURS: Druckluftqualität für die Ausblasdüsen festlegen, zum Beispiel nach ISO 8573-1, dazu Druck und Menge. DQ: prüfen, ob Trocknung, Filter und Sterilfilter am Verbraucher dafür ausgelegt sind. IQ: kontrollieren, ob alles so eingebaut ist wie geplant und die Messgeräte kalibriert sind. OQ: Drucktaupunkt, Alarme und Kondensatableitung testen. PQ: an den drei Probenahmestellen über einen festgelegten Zeitraum messen. Danach: jede Änderung bewerten und jährlich requalifizieren.

Qualifizierungs-Check: Wo steht deine Anlage?

Hak an, was bei deiner Anlage heute schon erfüllt ist. Der Check zeigt dir, wo Lücken sind.

Erfüllt–
Ergebnis–

    Der Check ersetzt keine Qualifizierung. Er zeigt nur, welche Bausteine fehlen könnten.

    Worauf du außerdem achten solltest

    Die richtige Klasse festlegen

    Die URS beginnt mit der passenden Druckluftqualität.

    → Qualitäts-Assistent ISO 8573-1

    Keime vermeiden

    Trockene Luft, Sterilfilter am Verbraucher, hygienisches Netz.

    → Mikroorganismen und sterile Druckluft

    Klassen verstehen

    Was die Zahlen in ISO 8573-1 bedeuten und wie gemessen wird.

    → Druckluftqualität nach ISO 8573-1

    Öl im Blick behalten

    Warum sich Öl über Jahre im Netz sammelt.

    → Öl in der Druckluft

    Praxistipp

    Aus der Praxis des Sachverständigen

    Bevor ein Filter, ein Trockner oder ein Stück Leitung getauscht wird, kurz fragen: Ändert das etwas am qualifizierten Zustand? Diese eine Frage erspart dir im Audit viel Ärger.

    Häufige Fragen

    Was bedeuten URS, DQ, IQ, OQ und PQ?

    URS ist die Anforderung des Betreibers, DQ die Prüfung der Planung, IQ die Prüfung des Einbaus, OQ die Prüfung der Funktion und PQ der Nachweis der Qualität im laufenden Betrieb.

    Ist die Qualifizierung nach der Abnahme abgeschlossen?

    Nein. Der qualifizierte Zustand muss erhalten bleiben. Änderungen müssen bewertet werden, und die Anlage wird regelmäßig, meist jährlich, requalifiziert.

    Wo sollte Druckluft für die Qualifizierung gemessen werden?

    Bewährt haben sich drei Ebenen: direkt nach der Aufbereitung, am kritischen Ende der Leitung und am Produktkontakt.

    Welche Regel gilt für Druckluft in der Lebensmittelindustrie?

    Eine Orientierung bietet das VDMA-Einheitsblatt 15390-2. In der Praxis ist die Druckluft meist Teil des HACCP-Konzepts des Betriebs.

    Roland Rau

    Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen inkl. Peripherie (zertifiziert nach DIN EN ISO/IEC 17024), Geschäftsführer der Roland Rau Air-Expert GmbH. Mehr zum Autor

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