Druckluft-Fachbuch › Kapitel 5: Verteilung & Speicherung › Druckbehälter: Prüfpflichten
Kapitel 5 · Thema 5.11
Druckbehälter: Prüfpflichten und Fristen nach der Betriebssicherheitsverordnung
Druckluftbehälter stehen unter Druck und speichern viel Energie. Deshalb schreibt die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) vor, dass sie vor der ersten Inbetriebnahme und danach regelmäßig geprüft werden. Wer prüft und wie oft, hängt vom Produkt aus zulässigem Druck und Volumen ab, kurz PS · V in bar · Liter. Das gilt nicht nur für den großen Behälter in der Station, sondern auch für Filtergehäuse, Trocknerbehälter und andere Druckgeräte. Jeder Behälter wird dabei für sich eingestuft.
Wer prüft? Die Einstufung nach PS · V
Für Druckbehälter mit Luft (Gase der Fluidgruppe 2) gilt:
| Behälter | Prüfung vor Inbetriebnahme | Wiederkehrende Prüfung |
|---|---|---|
| PS · V bis 50 bar · l | nicht überwachungsbedürftig. Der Behälter ist ein Arbeitsmittel, Art und Umfang der Prüfung legt der Arbeitgeber in der Gefährdungsbeurteilung fest. | |
| PS · V über 50 bis 200 bar · l (V bis 200 l, PS über 0,5 bar) | befähigte Person | befähigte Person |
| V über 200 l, PS über 0,5 bis 1 bar | befähigte Person | befähigte Person |
| PS · V über 200 bis 1.000 bar · l | ZÜS | befähigte Person |
| PS · V über 1.000 bar · l | ZÜS | ZÜS |
Die Prüffristen
| Prüfung | Höchstfrist | Was wird gemacht? |
|---|---|---|
| Äußere Prüfung | 2 Jahre | Sichtprüfung von außen im Betrieb. Entfällt bei Behältern, die nicht feuer-, abgas- oder elektrisch beheizt sind, also bei üblichen Druckluftbehältern. |
| Innere Prüfung | 5 Jahre | Prüfung der Innenseite, zum Beispiel auf Korrosion durch Kondensat. |
| Festigkeitsprüfung | 10 Jahre | Prüfung, ob der Behälter dem Druck noch sicher standhält. |
Diese Höchstfristen gelten für Behälter, die eine ZÜS prüfen muss. Bei Behältern, die eine befähigte Person prüft, legt der Arbeitgeber die Fristen selbst fest, höchstens 10 Jahre. Die Fristen müssen spätestens sechs Monate nach der Inbetriebnahme ermittelt und in der Gefährdungsbeurteilung festgehalten werden. Zeigt der Zustand des Behälters, dass kürzere Abstände nötig sind, zum Beispiel wegen Korrosion, dann gelten kürzere Fristen.
Warum jeder Behälter für sich zählt
Stehen zwei Behälter mit je 500 Litern nebeneinander, wird nicht 1.000 Liter gerechnet. Jeder Behälter wird mit seinem eigenen Volumen und seinem eigenen zulässigen Druck eingestuft. Genauso zählen Filtergehäuse, Adsorptionstrockner-Behälter und Wasserabscheider als eigene Druckgeräte. Ein kleines Filtergehäuse fällt oft unter 50 bar · l, ein großes nicht. Darum gehört jedes Druckgerät der Anlage in die Liste.
Was passiert, wenn es falsch gemacht wird?
| Typischer Fehler | Folge |
|---|---|
| Mit dem Betriebsdruck statt mit PS gerechnet | Der Behälter wird zu niedrig eingestuft, die vorgeschriebene Prüfstelle fehlt. |
| Volumen mehrerer Behälter zusammengezählt | Falsche Einstufung, oft zu streng, manchmal zu locker. |
| Filter- und Trocknerbehälter vergessen | Prüfpflichtige Druckgeräte laufen ungeprüft. |
| Keine Fristen festgelegt | Der Betreiber verstößt gegen die BetrSichV. Bei einem Schaden kann er haften. |
| Kondensat bleibt im Behälter stehen | Der Behälter rostet von innen. Das zeigt erst die innere Prüfung, im schlimmsten Fall zu spät. |
| Unterlagen fehlen | Prüfungen werden schwierig oder teurer, im Zweifel muss nachgeprüft werden. |
So rechnest du: Welche Prüfung braucht mein Behälter?
Beispiel 2: Behälter 90 l, PS 11 bar: 990 bar · l. Vor Inbetriebnahme ZÜS, wiederkehrend befähigte Person.
Beispiel 3: Filtergehäuse 10 l, PS 16 bar: 160 bar · l. Beide Prüfungen durch eine befähigte Person.
Diese Unterlagen gehören zu jedem Behälter
| Unterlage | Wozu? |
|---|---|
| Konformitätserklärung und Betriebsanleitung | Zeigen, wofür der Behälter gebaut ist (PS, Volumen, Temperaturen). |
| Prüfbescheinigung vor Inbetriebnahme | Nachweis der ersten Prüfung. |
| Gefährdungsbeurteilung mit Prüffristen | Legt fest, wer wann prüft. |
| Prüfberichte der wiederkehrenden Prüfungen | Zeigen den Zustand über die Jahre. |
| Liste aller Druckgeräte der Anlage | Damit kein Filter- oder Trocknerbehälter vergessen wird. |
Worauf du außerdem achten solltest
Sicherheitsventil
Jeder Behälter braucht ein passendes Sicherheitsventil, eingestellt höchstens auf den zulässigen Druck.
→ Sicherheitsventile und Armaturen (folgt) (folgt)Gefährdungsbeurteilung
Hier werden Prüfungen und Fristen festgelegt.
→ Gefährdungsbeurteilung (folgt) (folgt)Praxistipp
Geh einmal durch die ganze Anlage und schreib jedes Druckgerät mit Volumen und PS vom Typenschild auf: Behälter, Filtergehäuse, Trocknerbehälter, Wasserabscheider. Rechne für jedes PS · V und trag Prüfstelle und Fristen ein. Diese Liste ist die Grundlage der Gefährdungsbeurteilung, und bei jeder Prüfung sparst du Zeit.
Häufige Fragen
Ab wann ist ein Druckluftbehälter prüfpflichtig?
Bis 50 bar · l ist er nicht überwachungsbedürftig, wird aber als Arbeitsmittel nach Gefährdungsbeurteilung geprüft. Über 50 bar · l gelten Prüfungen vor Inbetriebnahme und wiederkehrend, über 200 bar · l vor Inbetriebnahme durch die ZÜS, über 1.000 bar · l auch wiederkehrend durch die ZÜS.
Wie oft muss ein Druckluftbehälter geprüft werden?
Bei ZÜS-pflichtigen Behältern höchstens alle 5 Jahre innen und alle 10 Jahre Festigkeit. Die äußere Prüfung alle 2 Jahre entfällt bei nicht beheizten Behältern. Bei Prüfung durch eine befähigte Person legt der Arbeitgeber die Fristen fest, höchstens 10 Jahre.
Rechne ich mit Betriebsdruck oder zulässigem Druck?
Mit dem maximal zulässigen Druck PS vom Typenschild, nicht mit dem Druck, mit dem die Anlage gerade läuft.
Werden mehrere Behälter zusammengerechnet?
Nein. Jeder Behälter und jedes Druckgerät wird mit seinem eigenen Volumen und PS eingestuft. Auch Filtergehäuse und Trocknerbehälter gehören dazu.