Druckluft-FachbuchAus der Praxis für die Praxis Praxiswissen von Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen Inhaltsverzeichnis
Kapitel wählen
  1. 1Grundlagen
  2. 2Erzeugung
  3. 3Steuerung
  4. 4Aufbereitung
  5. 5Verteilung
  6. 6Kompressorraum
  7. 7Energie & Kosten
  8. 8Planen & Beschaffen
  9. 9Recht & Betrieb
  10. 10Branchen

Druckluft-Fachbuch › Kapitel 6: Kompressorraum & Installation › Große Höhe und heißes Klima

Kapitel 6 · Thema 6.9

Aufstellung in großer Höhe und heißem Klima: Was mit Kompressor, Motor und Aufbereitung passiert

In großer Höhe ist die Luft dünner, in heißem Klima ist sie wärmer. Beides heißt: Pro Kubikmeter angesaugter Luft kommt weniger Luftmasse in den Kompressor, und Motor, Elektronik und Kühler werden schlechter gekühlt. Solche Anlagen sind immer Sonderfälle, die der Hersteller auslegen muss. Entscheidend ist dabei nicht die zulässige Umgebungstemperatur des Kompressors, sondern die höchste Temperatur, die im Raum an einem Sommertag bei Volllast tatsächlich entsteht.

Lesezeit ca. 7 Minuten · mit Höhen-Rechner · Stand November 2026

Das Wichtigste auf einen Blick

PunktWas giltWarum?
Luftdrucksinkt mit der Höhe, auf 2.000 m auf rund 0,8 barDer Kompressor saugt dünnere Luft an und liefert weniger Luftmasse.
Druckverhältnissteigt bei gleichem BetriebsdruckFür 7 bar Überdruck rund 7,9 auf Meereshöhe, rund 11 auf 3.000 m. Das zulässige Druckverhältnis des Kompressors darf nicht überschritten werden.
Elektromotorenohne Einschränkung bis 1.000 m und 40 °CDarüber kühlt die dünnere oder wärmere Luft den Motor schlechter, die verfügbare Leistung sinkt.
Umgebungstemperatur Kompressormeist bis 40 °C, je nach Hersteller bis 46 °CEinige Hersteller bieten auf Anfrage Kompressoren für noch höhere Temperaturen an.
Begrenzender FaktorElektrik und ElektronikSteuerung und Frequenzumrichter erreichen ihre Grenze oft früher als die Mechanik.
Auslegungalle Komponenten mit LeistungsreserveKompressor, Kühler und Kältetrockner sollten größer gewählt werden, damit keine Komponente am Maximum läuft.
Für den Herstelleralle Betriebsdaten angebenHöhe, höchste und niedrigste Temperatur, Luftfeuchte, Kühlmitteltemperatur, Betriebsdruck.

Große Höhe: dünne Luft

Ein Verdrängerkompressor saugt bei jeder Umdrehung etwa dasselbe Volumen an. In großer Höhe steckt in diesem Volumen aber weniger Luft. Der Kompressor liefert also weniger Luftmasse und, auf den Bezugszustand umgerechnet, weniger Kubikmeter. Gleichzeitig muss er stärker verdichten, um denselben Überdruck zu erreichen, weil er bei niedrigerem Luftdruck anfängt. Das verändert Wirkungsgrad und Leistungsbedarf und kann das zulässige Druckverhältnis überschreiten.

Auch der Motor leidet: Die dünnere Luft kühlt ihn schlechter. Standardmotoren laufen ohne Einschränkung bis 1.000 m und 40 °C. Darüber sinkt die Leistung, die der Motor dauerhaft abgeben darf, und zwar schneller als die Leistung, die der Kompressor braucht. Darum gibt es für jede Kompressor-Motor-Kombination eine höchste zulässige Aufstellungshöhe.

Aufstellungshöhe → Leistung → 1.000 m verfügbare Motorleistung benötigte Leistung des Kompressors hier reicht der Motor nicht mehr

Schematische Darstellung ohne Zahlenwerte. Wie stark die Leistung sinkt, hängt von Motor und Kompressor ab und wird vom Hersteller ausgelegt.

Heißes Klima: die thermische Bilanz der ganzen Station

Bei Kompressoranlagen in heißem Klima werden viele Fehler gemacht, weil oft nur auf die zulässige Umgebungstemperatur des Kompressors geschaut wird. Tatsächlich entscheidet die thermische Bilanz der ganzen Station über Zuverlässigkeit und Lebensdauer.

BereichWas passiertWas hilft
KühlluftführungDer häufigste Fehler: Der Kompressor saugt seine eigene heiße Abluft wieder an. Ansaug-, Verdichtungsend-, Öl- und Druckluftaustrittstemperatur steigen.Die Kühlluft muss den Raum verlassen können, ohne wieder angesaugt zu werden.
AnsaugluftWarme Luft ist weniger dicht. Es gelangt weniger Luftmasse in den Verdichter, die Liefermenge sinkt, der spezifische Energiebedarf steigt.Kühle Ansaugluft, zum Beispiel von außen auf der Schattenseite.
ÖlBei öleingespritzten Kompressoren schmiert, dichtet und kühlt das Öl. Bei höherer Temperatur altert es schneller, Ablagerungen nehmen zu, die Viskosität sinkt.Größere Kühler, Hochtemperaturöle, häufigere Ölwechsel nach Herstellerangabe.
Nachkühler und TrocknerHeiße Luft enthält mehr Wasserdampf. Mehr Kondensat, überlastete Kältetrockner, der Drucktaupunkt wird nicht mehr erreicht.Aufbereitung für die tatsächlichen Bedingungen auslegen, mit Reserve.
Elektronik und FrequenzumrichterIhre Lebensdauer sinkt stark mit der Temperatur. Der Kompressor kann mechanisch noch problemlos laufen, während die Elektronik schon an ihrer Grenze ist.Separate Schaltschrankkühlung, Wärmetauscher oder Klimageräte im Schaltschrank.
Motoren und LagerDie Motorisolation altert schneller, die Fettlebensdauer der Lager sinkt, Wartungsintervalle werden kürzer.Größere Motoren, höhere Isolationsklasse, Hochtemperaturfette.
Aufstellung im FreienDirekte Sonne, UV-Strahlung, Sand und Staub, hohe Tagestemperaturen.Sonnendach, zusätzliche Belüftung, bessere Filterung.

Die Elektrik und Elektronik des Kompressors sind die begrenzenden Faktoren. Durch eine geeignete Kühlung muss sichergestellt werden, dass der Kompressor nie über die vom Hersteller zugelassene Höchsttemperatur hinaus betrieben wird. Sonst droht ein Totalausfall des Kompressors und damit der Druckluftversorgung.

Was passiert, wenn es falsch gemacht wird?

Typischer FehlerFolge
Nur auf die zulässige Umgebungstemperatur des Kompressors geschautDer Kompressor ist für 46 °C freigegeben, der schlecht belüftete Raum erreicht aber 52 bis 58 °C. Öl-, Elektronik- und Temperaturstörungen sind dann keine Kompressordefekte, sondern Aufstellungs- und Lüftungsfehler.
Kompressor saugt eigene Abluft anSteigende Temperaturen, Störabschaltungen, schnellere Alterung.
Standardauslegung aus Mitteleuropa übernommenTrockner überlastet, Drucktaupunkt nicht erreicht, zu viel Kondensat.
Höhe nicht berücksichtigtDer Kompressor liefert deutlich weniger Luft als erwartet, der Motor wird überlastet.
Alle Komponenten genau auf Nennleistung ausgelegtKeine Reserve, an heißen Tagen läuft alles am Limit.

So rechnest du: Wie viel Luft liefert der Kompressor in der Höhe?

Beispiel: 10 m³/min Liefermenge (auf Ansaugzustand bezogen), 7 bar Überdruck, 20 °C AnsaugtemperaturAuf Meereshöhe saugt der Kompressor rund 12,0 kg Luft pro Minute an. Das sind, umgerechnet auf den Bezugszustand nach ISO 8573-1 (1 bar, 20 °C), rund 10,1 m³/min. Auf 2.000 m liegt der Luftdruck bei rund 0,8 bar. Dann sind es nur noch rund 9,4 kg/min oder 7,9 m³/min, also gut 20 % weniger. Das Druckverhältnis steigt dabei von rund 7,9 auf rund 9,8.
Luftdruck vor Ort–
Druckverhältnis–
Massenstrom–
Liefermenge bei 1 bar, 20 °C (ISO 8573-1)–
Auf Meereshöhe bei 20 °C–
Unterschied–

Richtwerte für trockene Luft nach der Normatmosphäre, ohne Wettereinfluss (der Luftdruck schwankt um etwa ± 5 %). Angenommen ist, dass der Kompressor dasselbe Volumen ansaugt. In Wirklichkeit ändern sich mit dem Druckverhältnis auch Liefergrad und Leistungsbedarf. Die verbindliche Auslegung macht immer der Hersteller.

Worauf du außerdem achten solltest

Ansauglufttemperatur

Warum kühle Ansaugluft Strom spart.

→ Ansauglufttemperatur

Lüftung

Die Kühlluft muss hinaus, ohne wieder angesaugt zu werden.

→ Lüftung im Kompressorraum

Kältetrockner

Auslegung bei hohen Temperaturen.

→ Kältetrockner

Container

Aufstellung im Freien.

→ Containeranlagen

Praxistipp

Aus der Praxis des Sachverständigen

Leg die Station nicht für die zulässige Umgebungstemperatur des Kompressors aus, sondern für die höchste tatsächlich zu erwartende Raumtemperatur an einem Sommertag bei Volllast, einschließlich Wärmestau. Genau dort entstehen die meisten Probleme. Und gib jeder Komponente Reserve: Kompressor, Kühler und Kältetrockner sollten nicht schon im Normalbetrieb am Maximum laufen.

Häufige Fragen

Wie viel weniger Luft liefert ein Kompressor in großer Höhe?

Auf 2.000 m liegt der Luftdruck bei rund 0,8 bar. Ein Verdrängerkompressor liefert dort, umgerechnet auf 1 bar und 20 °C, gut 20 % weniger Luft als auf Meereshöhe.

Bis zu welcher Höhe können Standardmotoren ohne Einschränkung arbeiten?

Bis 1.000 m und 40 °C Umgebungstemperatur. Darüber kühlt die Luft schlechter, und die Motorleistung muss nach Herstellerangabe reduziert werden.

Bis zu welcher Umgebungstemperatur darf ein Kompressor laufen?

Meist bis 40 °C, je nach Hersteller bis 46 °C. Für höhere Temperaturen bieten einige Hersteller auf Anfrage Sonderausführungen an.

Was geht in heißem Klima zuerst kaputt?

Oft die Elektronik, zum Beispiel Steuerung und Frequenzumrichter. Sie erreicht ihre Grenze meist früher als die Mechanik des Kompressors. Darum braucht der Schaltschrank in heißen Regionen oft eine eigene Kühlung.

Roland Rau

Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen inkl. Peripherie (zertifiziert nach DIN EN ISO/IEC 17024), Geschäftsführer der Roland Rau Air-Expert GmbH. Mehr zum Autor

Aus dem Magazin

Passende Fachartikel zum Thema

Alle Artikel im Magazin →