Druckluft-FachbuchAus der Praxis für die Praxis Praxiswissen von Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen Inhaltsverzeichnis
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Druckluft-Fachbuch › Kapitel 5: Verteilung & Speicherung › Rohrnetz verlegen

Kapitel 5 · Thema 5.4

Druckluftnetz richtig verlegen: Gefälle, Abgänge, Absperrungen, Befestigung und Prüfung

Ein Druckluftnetz wird für Jahrzehnte gebaut. Was bei der Montage gespart wird, kostet später bei jedem Umbau Zeit, Geld und oft auch Produktion. Die häufigsten Fehler sind keine Rechenfehler, sondern Montagefehler: zu wenige Halterungen, Absperrungen an der falschen Stelle, wild gemischte Rohrsysteme und Abgänge, über die das Wasser direkt zum Verbraucher läuft. Diese Seite zeigt, worauf es beim Verlegen ankommt.

Lesezeit ca. 7 Minuten · mit Montage-Check · Stand Oktober 2026

Die Richtwerte auf einen Blick

PunktRichtwertWarum?
Gefälle1,5 bis 2 %, also 1,5 bis 2 cm je Meter, in StrömungsrichtungDie Luft reißt Wasser in Strömungsrichtung mit. Das Gefälle führt es zum nächsten Tiefpunkt.
Tiefpunktemit Kondensatableiter, bei einer Ringleitung z. B. an allen vier EckenFällt der Trockner einmal aus, wird das Wasser an mehreren Stellen abgefangen.
Abgänge zu Verbrauchernseitlich aus der LeitungWasser, das im Rohr unten mitläuft, landet nicht direkt beim Verbraucher.
Anbindung von Trockner und Behältervon unten aus der Sammelleitung, Ein- und AustrittWasser in der Leitung kann immer nach unten abgeführt werden.
Absperrarmaturendirekt an jeder Anschlussstelle an der SammelleitungWird eine Anlage getauscht, bleibt die Absperrung an der richtigen Stelle.
Halterungen, Längenausdehnunggenau nach Vorgabe des Rohrsystem-HerstellersJedes System ist anders. Die Unterlagen gehören vor die Planung, nicht danach.
Vor der Inbetriebnahmemit Druckluft spülen, Druckprüfung bezogen auf den höchsten möglichen ErzeugungsdruckSpäne und Schmutz müssen raus, und das Netz muss den Druck aushalten, den die Kompressoren liefern können.
Kennzeichnungnach DIN 2403: Luft = Gruppe 3, Signalgrau RAL 7004, Schrift schwarzDurchflussstoff und Fließrichtung müssen eindeutig erkennbar sein.

Warum die Einbindung so wichtig ist

Verbraucher seitlich anschließen

Wasser, das in der Leitung mitgerissen wird, läuft unten im Rohr. Die Abgänge zu den Verbrauchern sind meist kleiner als die Hauptleitung. Geht der Abgang nach unten, landet das Wasser direkt beim Verbraucher. Ein seitlicher Abgang verhindert das. In einem Netz ohne Trockner führt man die Abgänge nach oben.

Trockner und Behälter von unten anbinden

Am Trockner geht der Abgang aus der Sammelleitung nach unten, dann folgen der Wasserabscheider und der Eintritt in den Trockner. Der Austritt wird genauso von unten oder seitlich eingebunden. Auch Druckluftbehälter bindet man ein- und austrittsseitig von unten an. Der Vorteil: Wasser in der Leitung kann immer abgeführt werden.

Tiefpunkte als Frühwarnsystem

Auch hinter dem Trockner gehören Tiefpunkte mit Kondensatableiter ins Netz. In einer Ringleitung braucht es dafür kein Gefälle, Tiefpunkte an den Ecken genügen. Ein guter Trick aus der Praxis: Das Kondensat dieser Ableiter in einem durchsichtigen Behälter sammeln. Dann siehst du sofort, wenn im Prozess etwas nicht stimmt, zum Beispiel weil der Trockner nicht mehr richtig arbeitet. Gesammeltes Kondensat wird fachgerecht entsorgt.

Für die Kondensatleitungen selbst gilt: Gefälle in Richtung Öl-Wasser-Trenner.

Was passiert, wenn es falsch gemacht wird? Die typischen Montagefehler

FehlerFolge
Viel zu wenige Halterungen, Halterungen an der falschen StelleLeitungen hängen durch, Verbinder werden belastet und lösen sich. Das kann lebensgefährlich werden.
An Absperrarmaturen gespartFür jede Änderung muss das Netz drucklos gemacht werden.
Absperrung unten am Gerät statt oben an der SammelleitungIm Alltag bequem. Wird aber ein Kompressor, Trockner oder eine Maschine getauscht, liegen die Anschlüsse woanders, und die Absperrung sitzt an der falschen Stelle.
Systeme ohne Sinn und Verstand gemischtWerkstoffe vertragen sich nicht, Druckverluste wurden nicht berücksichtigt. Gekauft wurde, was billig war, die Kosten kommen im Betrieb.
Abgänge nach unten in feuchten BereichenWasser läuft direkt in Werkzeuge und Maschinen.
Keine Tiefpunkte mit AbleiterFällt der Trockner aus, verteilt sich das Wasser im ganzen Netz.
Herstellerunterlagen erst nach der Montage angefordertHalterungen und Dehnungsausgleich fehlen oder müssen teuer nachgerüstet werden.
Druckprüfung nur auf den Betriebsdruck bezogenDas Netz ist für den Druck, den die Kompressoren liefern können, nie geprüft worden.

Die Absperrung gehört an die Sammelleitung

Hängt die Hauptleitung unter der Decke, werden die Leitungen oft heruntergeführt und die Absperrung, etwa ein Kugelhahn, unten am Gerät gesetzt. Solange alles läuft, ist das praktisch. Beim nächsten Umbau aber nicht mehr. Deshalb gehört die Absperrung immer direkt an die Anschlussstelle an der Sammelleitung. Ist sie dort im Betrieb nicht erreichbar, kommt eine zweite Armatur direkt an den Verbraucher oder Erzeuger. Das kostet etwas mehr, schafft aber die Flexibilität, Anlagen im laufenden Betrieb umzubauen und zu optimieren.

Halterungen und Längenausdehnung: vorher klären

Halterungsabstände, Fest- und Gleitpunkte und der Ausgleich der Längenausdehnung sind von System zu System sehr unterschiedlich. Aluminium und Kunststoff dehnen sich bei Wärme deutlich stärker aus als Stahl. Deshalb gilt:

Vor der Inbetriebnahme: spülen und prüfen

Spülen mit Druckluft

Damit keine Späne, Schweißreste oder anderer Schmutz in der Leitung bleiben, wird sie vor der Inbetriebnahme gespült. Das Rohr wird am Ende geöffnet, auf der anderen Seite strömt Druckluft hinein. Da das Ende offen ist, baut sich kein hoher Druck auf. Mit Wasser sollte nicht gespült werden: Die Feuchtigkeit bekommt man nicht mehr vollständig heraus.

Druckprüfung: auf den höchsten möglichen Druck beziehen

Wasserdruckproben sind bei großen Nennweiten unpraktisch: Die Leitungen werden sehr schwer, man braucht viel Wasser, und die Feuchtigkeit bleibt im Netz. In der Praxis wird deshalb meist mit Druckluft geprüft. Weil Druckluft sehr viel Energie speichert, ist eine Prüfung mit Luft gefährlicher als mit Wasser. Prüfdruck und Vorgehen richten sich nach den Vorgaben des Rohrsystem-Herstellers und den geltenden Regeln, zum Beispiel DIN EN 13480. Die Prüfung gehört in die Hände befähigter Personen, der Bereich wird abgesperrt.

Der entscheidende Punkt: Maßgeblich ist nicht der Betriebsdruck, sondern der höchste Druck, den die Kompressoren erzeugen können. Ein Netz wird für Jahrzehnte gebaut. Wird es nur auf den heutigen Betriebsdruck bezogen geprüft, stellt vielleicht Jahre später jemand den vollen Kompressordruck ein, und das Netz wurde dafür nie geprüft.

Damit gibt es zwei saubere Wege:

Für den Prüffaktor nennt DIN EN 13480 bei der Festigkeitsprüfung mit Wasser einen Prüfdruck von mindestens dem 1,43-Fachen des zulässigen Drucks. Davon kann es Abweichungen geben: Wird mit Luft geprüft, liegt der Prüfdruck wegen der gespeicherten Energie in der Regel niedriger, und auch die Vorgaben des Rohrsystem-Herstellers können andere Werte festlegen. Der genaue Prüfdruck wird deshalb immer im Einzelfall festgelegt.

Beispiel: Rohrsystem für 16 bar zugelassen, Kompressor kann 15 bar Ü, Betriebsdruck 10 bar ÜWird nur auf 10 bar bezogen geprüft, ist das Netz für die 15 bar, die der Kompressor liefern kann, nie geprüft worden. Richtig ist: Prüfdruck = 15 bar × Prüffaktor nach Norm. Oder: Prüfdruck = 10 bar × Prüffaktor nach Norm, dazu ein Sicherheitsventil, das die volle Liefermenge abblasen kann und das Netz vor höherem Druck schützt.

Montage-Check: Ist dein Netz richtig verlegt?

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Erfüllt–
Ergebnis–

    Worauf du außerdem achten solltest

    Richtige Nennweite

    Auch der schönste Abgang hilft nicht, wenn das Rohr zu klein ist.

    → Rohrleitung dimensionieren

    Werkstoff wählen

    Welches Rohr in den Nass- und in den Trockenbereich gehört.

    → Rohrmaterialien im Vergleich

    Kondensat ableiten

    Welcher Ableiter an die Tiefpunkte gehört.

    → Kondensatableiter im Vergleich

    Ring mit Querverbindungen

    Die Netzform, die Umbauten im laufenden Betrieb erlaubt.

    → Ringleitung oder Stichleitung

    Praxistipp

    Aus der Praxis des Sachverständigen

    Spar nicht an Absperrarmaturen und Halterungen. Beides kostet beim Bau wenig im Vergleich zu dem, was ein Umbau mit Produktionsstillstand oder eine heruntergefallene Leitung kostet. Und hol dir die Unterlagen des Herstellers, bevor du planst, nicht wenn die Leitung schon hängt.

    Häufige Fragen

    Wie viel Gefälle braucht eine Druckluftleitung?

    1,5 bis 2 %, also 1,5 bis 2 cm je Meter, in Strömungsrichtung zu einem Tiefpunkt mit Kondensatableiter. In einer Ringleitung genügen Tiefpunkte mit Ableiter, zum Beispiel an den Ecken.

    Wie schließe ich Verbraucher an die Druckluftleitung an?

    Am besten seitlich, damit Wasser im Rohr nicht direkt zum Verbraucher läuft. In einem Netz ohne Trockner führt man die Abgänge nach oben. Die Absperrung sitzt direkt an der Anschlussstelle an der Sammelleitung.

    Mit welchem Druck wird eine Druckluftleitung geprüft?

    Prüfdruck und Verfahren richten sich nach den Vorgaben des Rohrsystem-Herstellers und den geltenden Regeln. Entscheidend ist der Bezug auf den höchsten Druck, den die Kompressoren erzeugen können, multipliziert mit dem Prüffaktor nach Norm. DIN EN 13480 nennt für die Prüfung mit Wasser mindestens das 1,43-Fache, mit Luft wird in der Regel niedriger geprüft. Alternativ: Betriebsdruck mal Prüffaktor und ein Sicherheitsventil, das die volle Liefermenge abblasen kann.

    Welche Farbe haben Druckluftleitungen?

    Nach DIN 2403 gehört Luft zur Gruppe 3, Kennfarbe Signalgrau RAL 7004, Schrift schwarz. Maßgebend ist die eindeutige Kennzeichnung mit Durchflussstoff und Fließrichtung, nicht die Farbe des Rohrs selbst.

    Roland Rau

    Roland Rau, Sachverständiger für Druckluft-Gesamtanlagen inkl. Peripherie (zertifiziert nach DIN EN ISO/IEC 17024), Geschäftsführer der Roland Rau Air-Expert GmbH. Mehr zum Autor

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